\ Nicht im Buchhandel. ' Ueberreicht vom Verfasser. Brasilianische Batraehier des Berner Naturhistorisehen Museums. Von F. Baumann. Mit 3 Tafeln und 6 Abbildungen im Text. Abdruck aus den Zoologischen Jahrbüchern. Herausgegeben von Prof. Dr. J. W. Spengel in Gießen, Abteilung für Systematik, Geographie und Biologie der Tiere. Dreiunddreissigster Band. 2. Heft. Verlag von Gustav Fischer in Jena. 1912. ZZA\\^ ■R.Epr Nachdruck verboten. Uhcrsctzungsrecht vorbchollcn . Erasilianische Batrachier des Berner Naturhistorischen Museums nebst Unters II eil im gen über die geograpliische Verbreitung der Batrachier in Brasilien. Von Dl-. F. Baumauu (Bern). Mit Tafel 4—6 und 4 Abbildnngen im Text. I. Brasilianische Batrachier. Veranlaßt durch eine größere Batrachiersammlung aus dem Orgel-Gebirge, der Umgebung von Parä und den Urwäldern des Amazonas, die dem Berner Naturhistorischen Museum von Herrn Prof. Dr. E. A. Goeldi geschenkt und mir zur Bestimmung über- lassen wurde, unterzog ich auch die anderen vorhandenen brasilia- nischen Batrachier einer neuen Untersuchung. Die letzteren stammen zum größten Teil aus der Umgebung von Rio de Janeiro, wo sie von Herrn Dr. Nägeli gesammelt wurden. Durch die GoELDi'sche Sammlung sind die brasilianischen Batrachier des Berner Museums in schönster Weise ergänzt worden, so daß es sich lohnt ein Ver- zeichnis der vorhandenen Arten zu publizieren. Wenn ich mich aber im Nachfolgenden nicht auf ein leeres Verzeichnis beschränkt habe, sondern in den meisten Fällen auf eine Beschreibung der Art eingetreten bin, so wurde ich dabei von dem Wunsche geleitet, durch •eine möglichst genaue Beschreibung der Tiere Verschiedenheiten in ■den Angaben der Autoren in ^^^egfall zu bringen und durch Her- Zool. Jahrb. XXXIII. Abt. f. Syst. 7 88 F- Baumann, vorheben wenig bekannter oder vernachlässigter Merkmale in Körper- bau, Farbe und Zeichnung ihre Charakterisierung möglichst zu ver- vollständigen. Es war mir dies um so eher möglich, als von der größereu Zahl der Arten mehrere Exemplare vorhanden sind, so daß ich für einige Variationsgrenzen und Mittelform in beziig auf Färbung und Zeichnung beschreiben und abbilden kann. In bezug auf die Färbung erhalten meine Angaben über einige Arten durch schöne nach dem lebenden Tier gemalte Abbildungen, die mir von Herrn Prof. Dr. Goeldi in liebenswürdiger Weise zur Verfügung gestellt wurden, wertvolle Ergänzungen. Durch kurzes Eingehen auf Lebensweise und Brutpflege der Tiere, insofern mir neuere An- gaben darüber zur Verfügung standen, habe ich ihr Bild auch in dieser Hinsicht zu vervollständigen gesucht. Von den Phaneroglossen sind die Firmisternia allein durch die Dendrobatidae vertreten, die Arcifera durch die Familien der Cysti- gnathidae, Bufonidae und Hijlidae. Die Aglossen sind durch die Pipidae vertreten. Von ihnen kommt nur diese Familie in der neuen Welt vor. Firmisternia. Dendrobatidae. Dendrobates Wagl, Dendrohates tinctoriiis Wagl. Parä. Die Familie der Dendrobatidae ist allein durch 2 Exemplare von Dendrobates tinctorius Wagl. vertreten. Die Saugballen an Finger und Zehen sind fast gleichgroß und wenig kleiner als das Trommel- fell, das ungefähr die Hälfte der Augengröße erreicht. Die warzen- förmige Erhebung in der Mitte des Tarsus ist vorhanden und ziem- lich stark entwickelt.^) Auf beiden Flanken, etwas auf die Unter- seite verschoben, verläuft je eine deutliche Längsfalte, wie sie von DüMERiL u. BiBRON ^) beschrieben wird. Das eine Exemplar ist ganz 1) BouLENGEK, Catalogue of the Batrachia Salientia s. Ecaudata in the Collection of the British Museum, 1882, p. 142. 2) Dum. et Bibr., Vol. 8, p. 653. Brasilianische Batrachier des Berner Naturhistorischen Museums. 89 schwarz gefärbt, das andere zeigt auf den Oberschenkeln einige hellere undeutliche bräunliche Flecke. Sie würden also mehr den Varietäten entsprechen, die Boulenger von Panama und Santarem anführt, und für Parä neu sein, wenn man nicht annehmen will, daß die graue Farbe der Eückenseite der Parä- Varietät im Alkohol ver- schwinden oder undeutlich werden kann. Arcifera. Cystignatliidae. Elosia TscH. Die ganz auf Brasilien beschränkte Gattung war bis 1907 nur durch drei Arten vertreten. Wandolleck i) fügte eine neue, die E. dwi\a, hinzu. Die Sammlung des Berner Museums enthält als einzigen Vertreter, der aber in einigen gut erhaltenen Exemplaren vorhanden ist, ebenfalls eine neue Art aus dem Orgel-Gebirge, die deutliche und konstant auftretende Merkmale zeigt, die sie mit Leichtigkeit von den anderen unterscheiden lassen. Elosia lateristrk/ata n. sp. (Taf. 4 Fig. 1, la, Ib.) Orgel-Gebirge. Die Zunge ist breit und am hinteren freien Eand ganz wenig eingeschnitten. Die Vomerzähne stehen auf 2 kleinen rundlichen zwischen den ziemlich großen Choanen liegenden Höckerchen, die einen nach vorn offenen Bogen bilden und zwischen sich und den Choanen deutliche Zwischenräume erkennen lassen. Die Schnauze ist verlängert, vorn quer abgestutzt und trägt einen ziemlich scharfen Canthus rostralis. Das Nasenloch ist der Schnauzenspitze mehr genähert als dem Auge. Das Auge ist groß, mit horizontaler Pupille. Der Interorbitalraum ist breiter als ein oberes Augenlid und gleich der Entfernung zwischen den Nasenlöchern. Der Unter- kiefer ist vorn gleichmäßig abgerundet und zeigt ein kleines Spitz. 1) Wandolleck, B., Einige neue und wenig bekannte Batrachier von Brasilien, in: Abh. Ber. zool. u. anthr.-ethn. Mus. Dresden, 1907, Vol. 11, No. 1, p. 4. 7* 90 F. BArilANN. clien. Das kreisrunde Tj'mpanum erreiclit die halbe Größe des Auges. Das Tarsotibialgelenk kommt, wenn die Hinterextremität nach vorn gelegt wird, auf die Schnauzenspitze zu liegen. Die Finger sind vollkommen frei, der 1. nur ganz wenig länger als der 2. Sie tragen am vorderen Ende scheibenartige Er- weiterungen, die die Größe des Tympanums lange nicht erreichen und deren oberer Teil durch eine vertikale Furche in zwei Abschnitte zerlegt Avird. Die Zehen tragen am Grund den Rest einer Schwimmhaut, der sich beidseitig in Form eines ganz schmalen Saumes bis zur letzten Phalange fortsetzt. Die Metatarsaltuberkel sind klein, ungefähr von der Größe der Zehentuberkel. Die Färbung der Oberseite ist eine dunkelbraune. Von der Schnauzenspitze zieht sich der Oberlippe entlang bis zur Schulter und in den meisten Fällen bis zum Ellbogengelenk eine weiße Linie. Eine zweite entspiingt am hinteren Augenwinkel, geht am oberen Rand des Trommelfelles durch, erstreckt sich bis zur Basis des Ober- schenkels und kann sich auch nach vorn, dem äußeren Rand der Orbita entlang, bis zum Nasenloch ausdehnen. Die vorderen Extremitäten sind braun gefärbt und tragen am Außeni'and des Unterarmes eine undeutliche dunkelbraune Längs- binde. Die Oberschenkel können undeutliche dunkle Querbinden tragen, weisen aber in den meisten Fällen nur eine dunkelbraun und weiße Marmorierung der Hinterseite auf. Am Unterschenkel und Fuß beobachtet man dunkle Flecken. Die Unterseite ist gelblich gefärbt mit dunklen unregelmäßigen Punkten, die im vorderen Abschnitt zu einer undeutlichen mittleren Längsbinde vereinigt sind. Die Körperobei'fläche ist im hinteren Abschnitt granuliert. Das Männchen besitzt zwei seitliche äußere Schallblasen. Hißlodes Fitz, Die Sammlung des Berner Museums enthält zwei Vertreter der Gattung. Davon ist der eine eine neue Art. Beide stammen aus "dem Orgel-Gebirge und sind in mehreren Exemplaren vorhanden. Brasilianische Batrachier des Berner Natiirhistorischeu Museums. 91 Iffffwf^s goehJll n. sp, (Taf. 4 Fig-. 2a, 2b.) Orgel-Gebirge. Den zu Vs Mit Schwimmhäuten versehenen Zehen nach muß man die Art in die Nähe von H. palmaius und unter die erste Ab- teilung der von Boulenger^) aufgestellten Synopsis stellen. Der Kopf ist groß, breit, dreieckig mit zugespitztem, vorn quer abgeschnittenem Vorderende. Der Canthus rosti-alis ist etwas ab- gerundet. Die Nasenlöcher sind der Schnauzenspitze viel mehr ge- nähert als dem Auge. Das Auge ist groß mit horizontaler Pupille. Die Orbita ist breit und hoch gewölbt. Der Interorbitalraum breiter als die Orbita, so breit wie die Distanz zwischen den Nasenlöchern. Der bezahnte Oberkiefer zeigt eine Höhlung zur Aufnahme des Spitzchens des Unterkiefers. Die Zunge ist breit und hat ein freies ganzrandiges hinteres Ende. Die Vomerzähne stehen auf kleinen rundlichen, weit auseinanderliegenden Erhebungen zwischen den Choanen. Das kleine querovale Trommelfell erreicht kaum ^/g der Augengröße. Am Brustgürtel legt sich der rechte Coracoidknorpel über den linken. Das knorplige Episternum ist schmal, langgestreckt und vorn kuopfartig erweitert. Das Hyposternum ist breiter, platten- förmig, nach hinten an Breite abnehmend und ebenfalls ganz knorpe- lig. Die Querfortsätze der Sacralwirbel sind wenig verbreitert. Das Tibiotarsalgelenk des nach vorn gelegten Hinterbeines kommt zwischen das Auge und das Nasenloch zu liegen. Die Finger sind frei mit stark Tförmig ausgeprägten knöchernen Endphalangen. Die Endscheiben sind kleiner als das Tympanum. Die Gelenkhöcker sind nicht stark entwickelt. Die Zehen sind bis zu ^.^ ihrer Länge durch Schwimmhäute verbunden, die sich auf ihren beiden Seiten saumartig bis zur Endscheibe ausdehnen. Vom Tibiotarsalgelenk, der Innenseite des Metatarsus und auch der Außenseite der 5. Zehe entlang, erstrecken sich stark entwickelte Hautsäume. Die Meta- tarsaltuberkel sind nicht stärker entwickelt als die der Zehen. Die Färbung der bei dem größten Exemplar etwas granulierten Körperoberfläche ist eine dunkelbraune, ziemlich einheitliche. Vorder- und Hinterextremitäten zeigen undeutliche dunkle Querbänder, die im hinteren Teil des Oberschenkels durch eine weiß und braune Mar- morierung abgelöst werden können. Die Bauchseite und die ünter- 1) BouLENGER, Catalogue, p. 198. 92 ^'- Baujiänn, Seite der Extremitäten sind gelblich-weiß gefärbt mit einer hellbraunen Marmorierung, die sich auf die Seiten des Körpers ausdehnen kann. Hijlodes ffoUmerir Pütkr». Orgel-Gebirge. Diese mehr dem Norden von Südamerika eigene Art wurde für Brasilien erst im Jahre 1903 durch Boulenger ^) mit Sicherheit festgestellt, nachdem er allerdings schon im Katalog ^) ihr Vorkommen in Brasilien als wahrscheinlich annahm. Sein Material stammte aus Matto Grosso im oberen Flußgebiet des Amazonas, wo es von M. A. Robert bei Chapadä gesammelt wurde. Die Exemplare aus dem Orgel-Gebirge sind in schlechtem Erhaltungszustande, lassen aber doch, nach der guten Beschreibung von Boulenger. ihre Zugehörig- keit zu der Art erkennen. Ceratophrijs Wied. Ceratophrys boiei Wied. Orgel-Gebirge. Das vorliegende Exemplar stimmt im Körperbau genau mit den Beschreibungen von Dumeril u. Bibron^) und Boulenger*) über- ein. In bezug auf die Färbung möchte ich einige ergänzende Be- merkungen macheu. Die Körperoberfläche ist bräunlich, die Bauch- seite mehr gelblich gefärbt. Die Schnauze weist eine hellere Färbung auf und wird jederseits begrenzt von einer breiten dunklen vom Auge nacli dem Oberlippenrand gehenden Binde. Eine zweite un- deutlichere geht vom hinteren Augenrand nach dem Mundwinkel. Die warzigen hornartigen Fortsätze der oberen Augenlider sind von dunkler Farbe und werden verbunden durch eine im konkaven Inter- orbitalraum liegende weiße Querbinde, die vorn und hinten von dunklen Flecken eingefaßt wird. Die vordere zeigt eine fast vier- eckige Foi'm. Von einer durchgehenden Leiste von einem Orbital- fortsatz zum anderen kann nicht gesprochen werden, sondern sie 1) Boulenger, Batrachians and Reptiles collected by M. A. Robert at Chapadä, Matto Grosso, in: Proc. zool. Soc. London, 1903, p. 69. 2) Boulenger, Catalogue, p. 205. 3) Dum. et Bibr., Vol. 8, p. 437. 4) Boulenger, Catalogue, p. 223. Brasilianische Batrachier des Berner Naturhistorischen Museums. 93 wird nur, wie Wandolleck ^) beobachtete, im Interorbitalraum durch die weiße Binde vorgetäuscht. Die beiden warzigen Längskämme auf dem Rücken sind hell gefärbt und werden auf der äußeren Seite von dunklen Längsbinden begleitet. Die dunklen Querbinden der Extremitäten sind undeutlich und mehr schräg nach oben gerichtet. Die Seiten weisen größere, die Unterseite kleinere dunkle Punkte und Flecken auf. Ceratophi'i/s cornuta Schleg. Brasilien. Von der Art sind Männchen und Weibchen vorhanden, leider nur in schlechterhaltenen, alten, abgeblaßten Exemplaren. Die Art- merkmale sind jedoch noch deutlich zu erkennen. Ceratophrys ornata Günth. Orgel- Gebirge. Auch die Vertreter dieser Art befinden sich in schlechtem Zu- stand. Die Farben sind zum größten Teil verschwunden. Gute Beschreibungen dieser und der vorhergehenden Art finden sich bei Boulenger -) und Gadow.^) Letzterer zieht auch die Lebensweise der Tiere in Betracht. Zieptodactylus Fitz. Leptodacti/lus iongirostfis Blngr. Orgel-Gebirge. Von Boulengee *) wird als einziger bekannter Fundort der Ort Santarem am Amazonenstrom angegeben. Durch die beiden Exem- plare aus dem Orgel-Gebirge ist nun auch ihr Vorkommen in Süd- Brasilien nachgewiesen. Die von Boulenger gebrachten Abbildungen und die kurze Beschreibung der charakteristischen Merkmale der Art sind vollkommen ausreichend, um die Tiere mit Sicherheit be- stimmen zu können. Ich möchte nur einige kleine Ergänzungen bei- 1) Wandolleck, B., Einige neue und weniger bekannte Batrachier von Brasilien, in: Abb. Ber. zool. anthr.-ethn. Mus. Dresden, 1907, Vol. 11, No. 1, p. 9. 2) Boulenger, Catalogue, p. 224, 225. 3) Gadow, Amphibia and Reptiles, in: Cambridge nat. Hist., Vol. 8, 1901, p. 215. 4) Boulenger, Catalogue, p. 240, tab. 16 Fig. 3. 94 F- Baumann, fügen. Meine Exemplare weisen eine deutlich braun und weiß ge- fleckte Oberlippe auf, wie sie die Abbildung Boulenger's der Seiten- ansicht des Kopfes übrigens deutlich zeigt, und nicht eine, wie er angibt, mit einem dunkelbraunen Strich versehene. Auch die Unter- lippe ist deutlich braun und weiß gerandet. Das dunkle Band, das, vom Nasenloch kommend, durch das Auge geht und im hinteren^ verbreiteten Teil das Tjmipanum einschließt, ist vorhanden, ebenfalls der aus zwei Dreiecken bestehende dunkle Fleck zwischen den Augen. Leptodactylus tißphonins Daud. Orgel-Gebirge. Über die Zugehörigkeit der 3 vorhandenen Exemplare zu dieser Art war ich lange im Zweifel. Es ist nicht, leicht aus den Angaben und Abbildungen dei' Autoren, die sich in vielen Punkten wider- sprechen, von denen aber die meisten die große Variationsfähigkeit der Tiere betonen, ein einigermaßen richtiges Bild der Art zu er- halten. Die regelmäßig über den Rücken angeordneten Längsfalten, die in größerer Zahl vorhanden sind als bei L. mystacinus. mit welchem sie im übrigen große Ähnlichkeit aufweisen, gaben für mich den Ausschlag. Die Zunge ist oval, hinten wenig frei und eingeschnitten. Die großen Vomerzähne stehen in zwei stark gekrümmten Reihen hinter den kleinen Choanen. Die Schnauze ist zugespitzt, länger als der größte Augendurchmesser und trägt die Nasenlöcher mehr der Schnauzenspitze genähert. Der Interorbitalraum ist nicht so breit wie ein oberes Augenlid. Das Trommelfell erreicht -/s — ''4 der Augengröße. Die Finger sind von mittlerer Länge, der 1. länger als der 2. Finger und Zehen sind vollständig frei und weisen auf der Unterseite gut entwickelte Warzen auf. Von den \^'arzen des Metatarsus ist die äußere nur angedeutet^ während die innere eine ziemliche Größe erlangt. Das Tibiotarsal- gelenk des nach vorn gelegten Hinterbeines kommt in die Augen- nähe, eher zwischen Auge und Nasenloch, zu liegen. Von den cha- rakteristischen Längsfalten liegen 2, nahe beieinander, zu beiden Seiten der Mittellinie des Körpers; 2 deutlicher ausgeprägte ent- springen am inneren Rand des oberen Augenlides und gehen über das Kreuzbein nach hinten; 2 weitere nehmen ihren Ursprung am hinteren Augenwinkel und gehen, am oberen Rand des Tympanums vorbei, den Flanken entlang bis zur Basis des Oberschenkels; zwischen Brasilianische Batrachier des Beruer Naturhistorischen Museums. 95 die letzten und die vorletzten können sich noch weniger deutlich entwickelte und angeordnete einschieben. Die Farbe ist im jetzigen Zustand eine dunkelbraune, war ursprünglich vielleicht olivenfarbig, mit wenigen undeutlichen dunklen Flecken. Alle besitzen ein dunkles Band, das vom Nasenloch kommend durch das Auge geht, allmäh- lich breiter wird, das Tympanum einschließt und sich in der Schulter- gegend verliert. Eine ganz ähnliche Zeichnung soll nach Boulengee^) L. mystacinus aufweisen. Bei einem Exemplar kann man zwischen den Augen eine aus zwei nebeneinander liegenden dunklen Dreiecken bestehende Figur beobachten. Das Trommelfell ist dunkelbraun gefärbt. Die Extremitäten weisen undeutliche, aus einzelnen Flecken zusammengesetzte Qiierbinden auf. Die hintere Seite der Ober- schenkel zeigt eine hell und dunkle Marmorierung. Vom inneren Rand des Tibiotarsalgelenkes bis zur inneren Metatarsalwarze er- streckt sich auf der Unterseite des Fußes ein deutliches weißes Band. Die Unterlippe besitzt einen dunkelbraunen Rand, der regel- mäßig angeordnete weiße Flecke einschließt. Die Bauchseite und die Unterseite der Extremitäten sind gelblich- weiß gefärbt und weisen eine braune Punktierung und Marmorierung auf, die gegen Brust und Kehle intensiver wird. Von den weißen Streifen auf dem Rücken , die nach Boulenger ^) und Dumeril u. Bibron "), nach letzteren Autoren auch auf den Oberschenkeln, vorkommen können, konnte ich keine Spur entdecken. Spix soll sie nach Peters' ^) Aus- führungen in seinen Figuren (tab. 3 fig. 1, 3) zu deutlich hervor- gehoben haben. Die Tiere sind ungefähr von gleicher Größe und messen von der Schnauzenspitze bis zum After 19 cm. Leptodaetfjlna oceUatus Wagl. Die Sammlung enthält Exemplare aus Rio de Janeiro, aus dem Orgel-Gebirge, aus dem Süden von Brasilien und aus Argentinien. Die meisten befinden sich in schlechtem Zustand, zum Teil sind es alte abgeblaßte Exemplare, zum Teil vertrocknete. Die Farben sind bei keinem mehr einigermaßen erhalten. Das eine Männchen zeigt aber sehr deutlich die beiden stark entwickelten, mit hornigen Fort- sätzen versehenen Erhebungen an der Innenseite des 1. Fingers. 1) BoüLENGEE, Catalogue, L. mystacinus. p. 244. 2) BouLKKGER. Catalogue, L. Hiyphonkis, p. 246. 3) Dum. et Bibr., Vol. 8, p. 402. 4) Peters, in: Monatsber. Acad. Wiss. Berlin, 1872, p. 2i'il. 96 F. Baumann, Bvfonidae» Bufo Laük. ÜHfo itiarinus Schneidee. (Biifo agiia Daud.) Von dieser in ganz Brasilien häufig- vorkommenden Kröte ent- hält die Sammlung Exemplare aus Südbrasilien, aus dem Orgel- Gebirge und von Parä in verschiedenen Größen und Altersstufen. Neben ganz jungen Tieren von nicht einmal 3 cm Länge sind solche von 20 cm Länge vorhanden. Ohne näher auf den Körperbau ein- treten zu wollen, möchte ich auf die interessanten Farbenunterschiede zwischen jungen und alten Tieren aufmerksam machen, wie dies schon von Gauow^) getan wurde. Die Färbung der mir zur Ver- fügung stehenden jungen Exemplare aus dem Orgel-Gebirge ist aller- dings eine etwas andere, als sie von dem genannten Autor be- schrieben wird. Die Oberseite zeigt eine gelblich-braune Farbe mit über den ganzen Rücken verstreuten dunkelbraunen Flecken, die aber im Gegensatz zu den Angaben Gadow's, nach welchen sie weiß gesäumt sein sollen, schwarz umrandet sind. An den Extremitäten können sie zu undeutlichen Querbinden vereinigt sein. Zwischen den Augen und vom unteren Augenrand zum Mundwinkel können helle Binden auftreten. Die Warzen der Rückenseite weisen in den meisten Fällen eine hellere Färbung auf Die Farbe der Unterseite ist grau bis bräunlich mit größeren oder kleineren hellen Flecken. Die ausgewachsenen Tiere sind dunkelbraun gefärbt, ungefleckt oder mit großen unregelmäßigen schwarzen Flecken versehen. Ihre Bauchseite ist von hellerer Farbe, ungefleckt oder weist bräunliche Flecken auf Bufo cruvAfer Wied. Rio de Janeiro. Die Art muß in Brasilien häufig sein. Das vorhandene Exemplar ist etwas abgeblaßt, zeigt aber die bräunliche Grundfarbe mit schwarzen Flecken noch deutlich. Die schwaiz und gelbe Marmo- rierung der Flanken und der Hinterseiten der Extremitäten ist aller- dings verschwunden, wenn sie überhaupt je vorhanden war. Sie 1) Gadow, H., Amphibia aud Eeptiles. in: Cambridge nat. Hist.. Vol. 8, 1901, p. 179. Brasilianische Batrachier des Berner Naturhistorischen Museums. 97 wird übrigens nur von Boulengee ') angeführt, während sie Dumeril 11. BiBEON -) nicht kennen. Die charakteristischen und guten Unter- scheidungsmerkmale gegenüber B. marinus sind vorhanden. Als solche möchte ich vor allem die in die Länge gezogenen Parotiden, die aus Warzen gebildete, hinter der Parotis beginnende laterale Falte, die dunkle breite Binde, die sich vom hinteren Augenrand nach dem Mundwinkel erstreckt und das Trommelfell, das ^,'4 der Augengröße erreicht, einschließt, anführen. Weniger charakteristisch ist die vertebrale, beidseitig dunkel gerandete weißliche Binde, die, wie wir sehen werden, auch bei den Jugendformen von B. typhonius vorkommen kann. Vergleicht man das Exemplar der Berner Sammlung mit den von Wandolleck ^) gebrachten Abbildungen und seiner Beschreibung der beiden Exemplare des Dresdener Museums, so stimmt es in der Farbe mehr mit dem in fig. 5 abgebildeten Tier überein. In der Zeichnung dagegen zeigt es ziemliche Abweichungen. Zwischen den Augen ist^ eine Spur von einer dunklen Querbinde vorhanden. Die schwarzen Flecken bilden mehr zusammenhängende Streifen zu beiden Seiten der hellen vertebralen Linie. Die schwarze Binde hinter dem Auge läßt sich nicht wie bei seinen Exemplaren in ein- zelne Teile auflösen. Jiuf'o ttjphoniiis Schneid. Parä. Die Sammlung enthält 3 junge und 2 alte Exemplare. Wenn ich trotz der ausführlichen Beschreibung von Dumeril u. Bibuon*) auf die Art näher eingehe, so möchte ich vor allem eine genaue Charakterisierung der jungen Exemplare geben, die von den alten in mancher Hinsicht so stark abweichen, daß man auf den ersten Blick geneigt ist, sie für eine eigene Art zu halten. Allerdings fallen sofort, auch bei den jüngsten, die merkwürdig nach hinten verbreiterte Körpergestalt und die vorspringenden Mundwinkel auf. Der Kopf ist bei dem jüngsten Exemplar ganz flach und besitzt noch keine Spur der steifen kammförmigen Überragung des Innen- 1) Boülenger, Catalogue, p. 316. 2) Dum. et Bibr., Bufo melunoti.^, p. 710. b) Wandolleck, B., Einige neue und wenig bekannte Batrachier von Brasilien, in: Abb. Ber. zool. anthr.-ethn. Mus. Dresden, 1907, Vol. 11, p. 13. 4) Dum. et Bibr., Bufo uiargantifer Daud., p. 718. 98 F. Baümaxx, randes des oberen Augenlides (Text%. Aa). Die warzige Seiten- linie entspringt noch direkt am hinteren Augenwinkel und ist nur schwach entwickelt. Die Farbe ist eine hellbraune mit dunklen unregelmäßig angeordneten Flecken auf dem Rücken und deutlichen Querbinden an den Extremitäten. Von der Schnauzenspitze zum After geht ein helles beidseitig schwarz gerandetes Band. Die Farbe der Unterseite ist eine gelbliclie. Die Außenseite des Unter- armes und der Hand und die Unterseite des Fußes sind schwarz gefärbt. An den beiden anderen Exemplaren läßt sich sehr deut- lich die Entstehung der steifen Kämme am Innenrand der oberen Augenlider beobachten (Textfig. Ab, c). Das eine Exemplar zeigt zwischen der Parotis und dem hinteren Augenwinkel eine deutliche Fig. A. Bnfo Uiphonius. Eutwicklung der Seiteukämme des Kopfes stärkere kantenförmige Entwicklung der Seitenlinie, die sich aber noch nicht aufgerichtet hat und sich nach vorn nur in undeutlichen warzenförmigen Erhebungen über das obere Augenlid fortsetzt (Textfig. Ab). Am anderen älteren Exemplar hat sich der be- schriebene hintere Teil schon aufgerichtet, und auch über dem Auge macht sich ein kleiner Kamm bemerkbar (Textfig. A c). Die Farbe der Tiere ist eine dunklere. Die helle vertebrale Mittellinie ist undeutlicher geworden. Von warzenförmigen vertebralen Erhebungen auf dem vorderen Abschnitt des Rückens kann man noch nichts beobachten. Die Unterseite weist eine mehr graue Färbung auf. Die alten Tiere zeigen die beiden Augenkämme, die sich nach vorn bis zur Schnauzenspitze fortsetzen, nach hinten über die Paro- Brasilianische Batrachier des Benier Naturliistorischen Museums. 99 tideii hinausgehen und sich in die Seitenlinien verlieren, in mon- ströser Weise entwickelt (Textflg-. A d). Die Rückenlinie wird im vorderen Abschnitt von 5 längsofespaltenen warzenförmigen Er- hebungen überragt. Die vertebrale helle Linie ist g-anz undeutlich geworden. Die Grundfarbe der Tiere ist ein dunkles Graubraun, das auf der Bauchseite etwas heller wird. Das eine Exemplar ist ganz ungefleckt, das andere weist zwischen den Augen eine schwarze Binde und längs der Rückenlinie sj^mmetrlsch angeordnete schwarze Flecken auf. Die dunklen Querbänder der Extremitäten sind fast vollständig verschwunden. Hylidae. Hyhf Laue. H !jla a2Jpendiculata Bh^GR. - :, r^^/ '^^ Parä. Von dieser Art ist nur 1 junges, aber gut erhaltenes Exemplar vorhanden. Die Färbung des Tieres zeigt neben der rötlich-braunen Farbe und dem dunklen xförmigen P'leck des Rückens eine Menge kleiner über die ganze Körperoberfläche regelmäßig verteilter dunkel braunroter Punkte. Es ist dies ein Merkmal, das weder von Bue- meistee') noch von Boulengee -) erwälmt wird. Da aber die anderen charakteristischen Merkmale, wie Stellung der Vomerzähne, Ausdehnung der Schwimmhäute, vor allem aber der W'eiße. dunkel gerandete Fleck der Hacke und die Hackenwarze selbst, genau mit ihren Angaben übereinstimmen, so haben wir es wahrscheinlich mit einer Jugendfärbung zu tun, die mit zunehmendem Alter ver- schwindet. Auch eine zweite Abweichung, die schwarze im hinteren Teil nocli zusammenhängende Färbung der Seiten, die sich nach vorn schon in einzelne Querbinden auflöst, läßt sich wahrscheinlich auf den gleichen Grund zurückführen. Die Seiten des ausgewachsenen Tieres zeigen nach Boulengee fast immer schwarze vertikale Binden. H{ßla faber \Vied. Orgel-Gebirge. Die Exemplare stammen aus der Colonia Alpina bei Theresopolis 1) BuemeiSTEE, Erlcäuterungen zur Fauna Brasiliens, IlijJa geographica Spix, p. 99. 2) Boulengee, Catalogue. p. 349. 100 F. Baumann, im Orgel- Gebirge. Au Hand sorgfältiger Beobachtungen hat Prof. Dr. E. A. Goeldi interessante Mitteilungen über das Leben und die Brutpflege in den Proceedings of the Zoological Society of London ^) veröffentlicht. Er beschreibt darin den nächtlichen Bau der kraterförmigen, kreisrunden Nester am Rande von Wasser- ansammlungen und konnte auch die Entwicklung der Jungen be- obachten. Über die Farbe der Tiere macht er ebenfalls einige An- gaben. Die Tiere sind nach seinen Beobachtungen im Lichte ganz blaß; die gleichen Individuen zeigen in der Nacht sowohl den mittleren schwarzen Längsstreif wie auch die dunklen Querstreifen an den Beinen sehr deutlich. Als gute Abbildung des Tieres führt er diejenige des Prinzen Maximilian v. Wied ^) an, nur zeigt die Unterseite nach seinen Beobachtungen eine orangerote Färbung und nicht eine weiße, wie sie Prinz Max abbildet. Eines der konservierten Exemplare weist noch Spuren dieser Färbung auf^ während von den dunklen Zeich- nungen auf dem Rücken nichts zu bemerken ist. Hyla pardalis Spix. Orgel-Gebirge. Die Angaben dei- Autoren über diese Art weisen in mancher Hinsicht ziemlich große Verschiedenheiten auf. Es betrifft dies vor allem die Beschreibung der Extremitäten, namentlich die Angaben über die Ausdehnung der Schwimmhäute. So gibt Burmeister ^) nur eine kurze halbe Schwimmhaut zwischen den 3 äußeren Fingern der Hand an, Boulenger^) ebenfalls, während Peters") nach meiner Ansicht in jeder Hinsicht die beste und genaueste Be- schreibung des Tieres bringt. Nach ihm erstreckt sich die Schwimm- haut zwischen den 3 äußeren Fingern, beim 2. und 4. bis zur Mitte des vorletzten Gliedes, beim 3. bis an die Basis des vorletzten, geht aber an allen saumförmig bis zum letzten mit einer Haftscheibe versehenen Gliede. Es würde dies mehr als ^3 der ganzen Fingerlänge ausmachen. 1) GOELDI, Emil A., Contribution of the knowledge of the breeding- habits of some Tree-Progs (Hylidae) of the Serra dos Orgäos, Rio de Janeiro, Brasil, in: Proc. zool. Soc. London, 1895, p. 89 — 93. 2) W]ED, Abbildungen zur Naturgeschichte Brasiliens, tab. 49. 3) Burmeister, Erläuterungen, Hyla lundü, p. 101, tab. 31, fig. 5. 4) Boulenger, Catalogue, p. 354. 5) Peters, in: Monatsber. Acad. AViss. Berlin, 1872, p. 208. Brasilianische Batrachier des Berner Naturhistorischen Museums. 101 Mein Exemplar stimmt am besten mit den Angaben von Petebs überein, zeigt aber auch zwischen dem 1. und 2. Finger eine kleine Schwimmhaut, die nicht nur die Mittelhandglieder, sondern auch noch die 1. Fingerglieder einschließt. Über die Verhältnisse des Fußes sind die Angaben nicht so abweichende, allerdings sind auch hier diejenigen von Peters die genauesten. Der Hautsaum am äußeren Eand des 4. Fingers erstreckt sich bei meinem Exemplar über den ganzen Unterarm bis zum Ellbogengelenk, zeigt aber keine „wellen- förmige Schlängelung", wie sie Bürmeister an seinem Exemplar beobachtet, dafür ist eine solche, im Gegensatz zu seinen Angaben, am Hautsaum des Fußes ausgebildet und endigt in der gut ent- wickelten Hackenwarze. Die Haut des Kopfes und des Rückens zeigt eine feine Chagrinierung und die bei allen Autoren angeführten zerstreuten warzenförmigen Erhebungen. Die Färbung der Körperoberfläche scheint mir gut erhalten zu sein. Sie besteht aus einem gelblich-braunen Grundton mit einem rötlichen Einschlag, der an den Oberschenkeln noch sehr gut zu beobachten ist, und einer dunkelbraunen Marmorierung, die den Grundton stark verdeckt. Die dunklen doppelten Querstreifen der Seiten und auch die dunklen Querbänder der Extremitäten sind vor- handen. Die Unterseite ist gelblich- weiß, unbefleckt und zeigt eine grobe Granulation des hinteren Teiles und der Oberschenkel, die nach vorn allmählich kleiner wird. Hyla alboniai'f/inata Spix. Brasilien. Es ist dies eine häufige Art, die ziemlich über ganz Brasilien verbreitet vorkommt. Unter dem Namen werden von Boulenger ^) und schon von Peters -} die H. albomarginata von Spix ■'), die H. infulata von WiED*) und Bürmeister^) und die H. punctata von Wied ver- einigt, trotzdem sie ziemliche Abweichungen aufweisen. Ob wir es nur mit Variationen oder mit verschiedenen Arten zu tun haben, möge hier dahingestellt bleiben. Ich vermisse in den Beschreibungen von Dumeril u. Bibron'') und Boulenger Angaben über den Rand- 1) Boulenger, Catalogue, p. 356. 2) Peters, in: Monatsber. Acad. Wiss. Berlin, 1872, p. 208. 3) Spix, Spec. Nov. Test. Ran., p. 33, tab. 8, fig. 1. 4) Wied. Abbildungen. 5) Burmeister, Erläuterungen, p. 97, tab, 30, fig. 1—6. 6) Dum. et Bibr., p. 555. 102 F. Baumann, saum am Unterarm, an der Hand nnd am Fuß. der beim vorliegenden Exemplar allerdings fehlt, bei H. infulata nach Burmeistek deutlich ausgeprägt sein soll. Eine deutliche Hautquerfalte über dem After, auch eine große Hackenwarze, wie sie der letzte Autor für seine Art angibt, sind zu beobachten. In bezug auf die Färbung weisen die Angaben und Figuren der verschiedenen genannten Autoren die größten Unterschiede auf. Wenn man die Abbildungen von Wied, Spix und BuRMEisTER vergleicht, so steigen einem unwillkürlich Zweifel auf, ob man es, trotz der großen Farbenvariationsfähigkeit der Tiere, wirklich mit der gleichen Art zu tun hat und ob nicht BüRMEisTER mit Recht seine H. infulata, die er lebend beobachtet und gezeichnet hat, von der H. alhomarginata abtrennt. Alkohol- exemplare sollen allerdings, Avie er selbst angibt, kaum mehr von- einander zu unterscheiden sein. Das Exemplar der Berner Samm- lung ist ganz abgeblaßt, zeigt aber die feinen über die ganze Ober- fläche und die Extremitäten verteilten dunklen Punkte, die sich sogar auf das Trommelfell ausdehnen, noch sehr deutlich. Uf/la hofdis Daud. Parä. Das vorliegende Exemplar ist ein junges Tier, doch "lassen sich die charakteristischen Eigenschaften der Art leicht erkennen. Die Vomerzähne sind in zwei Bogen angeordnet, die nach vorn kon- vergieren und deren innerer Schenkel sehr kurz ist. ^) Eigentlich konnte ich nur eine Schwimmhaut, die nicht einmal ^L der Finger- länge erreicht, zwischen dem 3. und 4. Finger konstatieren, während die anderen ganz frei sind. Boulenger^) beschreibt eine ganz kleine SchAvimmhaut zwischen den 8 äußeren Fingern; nach CoPE erreichen sie '/g der Fingerlänge, während nach Burmeister ^) die Finger ganz frei sind. Die Zehen sind zu % durch Schwimm- häute verbunden. Das Trommelfell hat, wie Cope angibt, ungefähr die halbe Augengröße. Die Haut ist glatt; die drüsenreiche Haut- falte vom Auge über das Trommelfell zur Schulter ist vorhanden. Auf sie setzt sich der schw^arze Streifen fort, der von der Schnauzen- spitze über den Canthus rostralis zum Auge geht. Die Farbe des Tieres ist eine graubraune mit deutlich ausgeprägten über Kopf, 1) Cope, in: Proc. Acad. nat. Sc. Philadelphia, 1862, p. 353. 2) Boulenger, Catalogue, p. 360. .3) Burmeister, Erläuterungen, p. 108. Brasilianische Batrachier des Berner Naturhistorischen Museums. 103 Rumpf und Extremitäten verteilten Querbinden und einer deutlichen dunklen mittleren Längslinie. Die Schnauzenspitze, der äußere Rand des Unterarms und der Hand und derjenige des Unterschenkels und des Fußes sind dunkelbraun. Die Oberseite des Tieres trägt un- regelmäßig über Rücken und Extremitäten verteilte runde schwarze Punkte. Die Gularregion ist gegen die weiße Unterlippe zu ganz fein schwarz punktiert. Charakteristisch für die Art ist ferner die scharfe gekerbte, schon von Buemeistee beschriebene Querkante über dem After. Hfjla venulosa Daud. (Taf. 5 Fig. la, Ib). Parä. Die Art ist schon den ältesten Autoren bekannt und wahrschein- lich der Zahl der vorhandenen Exemplare nach keine seltne. Im großen und ganzen stimmen sie mit den ausführlichen Beschreibungen von DUMEEIL U. BlBEON^), BüRMEISTEE "), PeTERS ^) UUd BOULENGER ^) überein, die allerdings unter sich auch wieder Abweichungen zeigen. In einigen Punkten glaube ich kleine Ergänzungen machen zu können. Es betrifft dies vor allem die Vomerzähne, die auf einer Erhebung mit dem hinteren Rand der Choanen stehen und die nicht, wie Burmeister angibt, sich genau in der Mitte zwischen den Choanen vorfinden. Sie bilden bei allen vorliegenden Exemplaren eine in der Mitte deutlich unterbrochene transversale Reihe, deren beide Hälften schwach bogenförmige Gestalt besitzen, mit ihren ottenen Seiten nach hinten weisen und aus 8 — 10 kräftigen Zähnen bestehen. Auch in bezug auf die Färbung der Art glaube ich einige be- stimmtere Angaben macheu zu können. Nach allen Autoren weist die Art eine braune Färbung des Rückens auf, die gewöhnlich mit dunkleren Zeichnungen von ganz verschiedener Form und Lage versehen ist. Peters bezeichnet die Figur von Spix ^) (Hyla Sonata) als eine ziemlich gute. Sie zeigt eine dunkle Färbung des Rückens, die zu beiden Seiten von breiten 1) DuMERiL et BiBRON, H;/Ia venulosa Daud,, tab. 8, p. 560. 2) Burmeister, Erläuterungen, Eyla venulosa Daud., p. 106. 3) Peters, in: Monatsber. Acad. Wiss, Berlin, 1872, H/jla reinilosa Daud., p. 219. 4) BouLENGER, Catalogue, p. 364, 5) Spix, Spec nov. Test, Ran,, p. 41, tab. 12, fig. 1, Zool. Jahrb. XXXIII. Abt. f. Syst. 8 F. Baumans, Fig. B. Hyla vcnnlosa Brasilianische Batrachier des Berner Naturhistoriscben Mnseums. 105 hellen Streifen, die im hinteren Teile des Körpers in eine helle und dunkle Marmorierung übergehen, begrenzt wird. Die Extremitäten sind hellbraun gefärbt und weisen breite dunkle Querbinden auf, wie sie übrigens von den meisten Autoren angegetfen werden. Unter den vorliegenden Exemplaren finden sich solche, die fast genau mit der Abbildung von Spix übereinstimmen. Es kann noch eine mehr oder weniger deutliche Marmorierung der Hinterseite der Ober- schenkel hinzutreten, die übrigens Petees auch am Original der zweiten Figur auf derselben Spix'schen Tafel beobachtet hat und das er auch als H. venulosa ansieht. Bei keinem Exemplar fehlen die seitlichen hellen Längsbinden ganz. Sie können sich mehr oder weniger deutlich abheben und auch in ihrer Ausdehnung nach hinten mehr oder weniger weit er- strecken. Gewöhnlich beginnen sie direkt hinter dem Auge und schließen den drüsenreichen Wulst über dem Trommelfell in sich ein. Im weiteren kann auch die dunkelbraune Farbe des Eückens mehr oder weniger große hellere oder dunklere Flecken aufweisen. In den Textfiguren Ba, Bb, Bc soll die gioße Variations- fähigkeit der Art in bezug auf die Zeichnung zur Darstellung ge- bracht werden, a und c sind die am weitesten auseinanderliegenden Formen der vorhandenen Exemplare. Während die hellen seitlichen Längsbinden bei a noch ganz nach hinten gehen, verschwinden sie bei c allmählich im dunkelbraunen Grundton der Körperoberfläche. b repräsentiert eine Mittelform oder wegen ihrer unsymmetrischen Zeichnung besser eine der Mittelform nahestehende. Die hellen Binden sind auf die vordere Körperhälfte beschränkt und nach hinten scharf abgegrenzt, a und b zeigen noch regelmäßig angeordnete dunkle Querbinden auf den Extremitäten. Bei c sind sie ganz undeutlich geworden und durch unregelmäßig angeordnete dunkle Striche ersetzt. Die Figuren la und Ib der Taf. 5 sind nach den lebenden Tieren gezeichnet und zeigen die natürlichen Farben. Auffallend sind die grünen Saugballen des ausgewachsenen Tieres. Hyla resinifictrix Goeldi. j^ , :, (Taf. 5 Fig. 2.) ( Amazonas. Von diesem interessanten Laubfrosche aus den Urwäldern des Amazonas ist leider nur ein einziges etwas beschädigtes männliches Exemplar vorhanden. Dagegen besitzt das Berner Museum eine Reihe der großen Baumnester und dicken Harzböden, die das Tier 8* 106 F. Baumann, herstellt. Ich möchte an dieser Stelle an Hand der ausführlichen Publikation von Prof. Dr. E. A. Goeldi in den Proceedings of the Zoological Societ}' of London^), nach der nach dem lebenden Tier aufg-enommenen farbigen Abbildung- (Taf. 5 Fig-. 2) und nach dem vor- handenen Exemplar eine kurze zusammenfassende Beschreibung der charakteristischen Eigenschaften der Art geben. Im ferneren lohnt es sich hier auf die höchst interessante Brutpflege des Tieres, die von Goeldi an Hand langjähriger Beobachtungen mit Sicherheit festgestellt wurde, mit einigen Worten einzutreten. Die Zunge ist herzförmig. Die Zähne des Yomers stehen in 2 nach vorn konvergierenden Reihen zwischen den großen Choanenöffnungen. Der Kopf ist von oben gesehen halbkreisförmig, groß und so lang wie breit- Die Nasenregion fällt in einem rechten Winkel zum Maule ab. Der Interorbitalraum ist breiter als die Orbita. Das Trommelfell ist deutlich ausgeprägt, kreisrund und wenig kleiner als das Auge. Die 3 äußeren Finger sind bis zur Hälfte durch SchAvimmhäute verbunden, und auch zwischen dem ersten und zweiten ist die Spur einer solchen vorhanden. Der erste weist kein Daumenrudiment auf. Alle tragen gut entwickelte Saugballen, die aber die Größe des Trommelfelles nicht erreichen. Die Zehen sind bis zu -3 ihrer Länge durch Schwimmhäute verbunden und tragen auf jeder Seite einen bis zum Endglied gehenden Saum. Die Saugballen sind kleiner als die der Finger. Das Tibiotarsalgelenk kommt, wenn die hintere Extremität nach vorn gelegt wird, zwischen das Auge und die Schnauzenspitze zu liegen. Die Hacke zeigt keinen Anhang. Die Farbe der warzigen Oberfläche ist eine gelblich-grüne mit dunkelbraunen Flecken. Zwischen dem vorderen Augenrand und den Nasenlöchern tritt ein trapezförmiger dunkler Fleck auf. Der Zwischenraum zwischen den Augen wird von einer hellen Binde eingenommen. Vom hinteren Augenrand bis etwas hinter die Schulter erstreckt sich wieder ein dunkler Fleck, der durch einen helleren Zwischenraum von der ebenfalls dunkel gefärbten Kreuzbeinregion getrennt wird. (Hier weicht die Abbildung Fig. 2, Taf. 5 etwas vom vorhandenen Exem- plar ab.) Arme und Beine tragen dunkle Querbinden. Wegen Einzel- heiten und Variationen der Zeichnung verweise ich auf die ausführliche Beschreibung und die guten Figuren der GoELufschen Abluvndlung. 1) Goeldi, Emil A., Description of Hyla resinifictrix Goeldi, a uew Amazoniau Tree-Frog peculiar for its breeding-habits, iu : Proc. zool. Soc. London, 1907. Brasilianische Batrachier des Berner Naturhistorischen Museums. 107 Die Unterseite ist hell grüiilich-g-elb und warzig. Das Männchen trägt seitlich hinter dem Mundwinkel 2 große Schallblasen. Die Saugballen an Finger und Zehen sind von grüner Farbe, gleich wie bei der nahe verwandten H. venulosa. Die Tiere bewohnen hohle Baumäste, die sie mit Harzen aus- kleiden, durch einen dicken meist etwas vertieften Boden abschließen und so die Höhlung in einen ausgezeichneten Wasserbehälter um- wandeln. Darin machen die Jungen ihre wahrscheinlich kurze Ent- wicklung durch. Hyla poJytaenia Cope. Orgel-Gebirge. Die Art ist nach Goeldi ^) im Orgel-Gebirge häufig, wo er sie in der Colonia Alpina bei Theresopolis während der Nacht bis zu ^2 Dutzend und mehr fangen konnte. In der gleichen Publikation macht er einige Angaben über die Brutpflege des Frosches, der seine Eier in Klumpen an Wasserpflanzen hängt. Die Metamorphose geht langsam vor sich; die Jungen brauchen wahrscheinlich ein ganzes Jahr zu ihrer vollständigen Entwicklung. Da eine größere Anzahl dieser hübschen Hyla vorhanden ist,' so möchte ich bestimmtere Angaben über einige charakteristische Merkmale machen, besonders was Farbe und Zeichnung anbetrifft. Der Beschreibung von Bou- LENGEK ^) ist beizufügen, daß über dem elfter, wie bei H. doans, eine scharfe meist gekerbte Querfalte vorkommt, die bei allen Exemplaren deutlich zu beobachten ist. Die Färbung der Tiere ist eine hell olivenfarbene bis gelblich-bräunliche mit dunklen braunen Längs- streifen. Diese zerfallen in 7 breitere Hauptstreifen, die eine be- stimmte Orientierung auf dem Körper aufweisen und in dazwischen liegende schmalere, linienartige, die sich bei einigen Exemplaren in länglich ovale Punkte auflösen. Die Hauptstreifen, die ebenfalls in einzelne Teile zerfallen können (Textfig. Cb), bei den meisten Exemplaren aber ungeteilt sind (Textfig. Ca), zeigen folgende An- ordnung: ein mittlerer vertebraler Streifen geht von der Schnauzen- spitze zur Querfalte über dem After. Zu beiden Seiten wird er flankiert von zwei anderen, die auch an der Schnauzenspitze ent- springen, bis zum Auge allmählich an Stärke zunehmen, dem inneren Rand des Augenlides entlang gehen und sich gleichweit nach hinten 1) GOELDI, in: Proc. zool. Soc. London, February 5. 1895, p. 93. 2) BouLENGER, Catalogue, p. 394. 108 F. Bal'jiann, erstrecken wie der erste. Die übrigen vier sind immer weiß ein- gefaßt und liegen je zwei auf den Flanken des Tieres. Der eine, der breiteste von allen, entspringt auch an der Schnauzenspitze, geht durch das Auge und schließt das Tympanura in sich ein; der andere entspringt am Mundwinkel und ist bei jungen Tieren undeutlich. Fig. C. Hyla iwlytaenia. Die Querfalte über dem After ist dunkelbraun gefärbt und zeigt einen oberen weißen Saum. An den Extremitäten beobachtet man ebenfalls eine deutliche Längsstreifung. Der Außenrand des Unter- armes und der Hand, auch derjenige des Unterschenkels und des Fußes weisen immer eine breitere, dunkle, auf beiden Seiten weiß- gesäumte Längsbinde auf. Diejenige des Unterschenkels geht auch auf die kleine häutige Hacken warze über. Hyla rubra Daud. Parä. Es muß dies eine der häufigsten und weitverbreitetsten Arten Südamerikas und speziell Brasiliens sein.') Während Körpergestalt und Größe keinen großen Schwankungen unterworfen sind, weist die Färbung eine weitgehende Yariationsfähigkeit auf. Die vor- handenen Exemplare zeigen alle möglichen Übergänge zwischen der stark gefleckten Varietät x signata (Textfig. Da), die von Spix-) 1) Burmeister, Erläuterungen, p. 109. 2) Sl'lX, Spec. nov. Test. Ran., p. 40, tab. 11, fig. 3. Brasilianische Batrachier des Berner Naturhistorischen Museums. 109 als eigene Art angesehen wird, während schon Dumeril u. Bibron^) und dann später auch Peters -) ihren Charakter als Varietät er- kannt haben, und der mehr eintönig gefärbten dunkleren eigentlichen H. rubra (Textfig. Db). Der Grundton des Körpers schwankt zwischen einem hellen Gelblich-grau und einem dunklen Braun. Mit ziemlicher Konstanz tritt der dreieckige Fleck zwischen den Augen auf, und auch die xförmige Figur auf dem Rücken ist meistens vor- handen. Fig. D. Hyla rubra. Parallel zu ihren Schenkeln verläuft gewöhnlich ein von der Schnauzenspitze kommender schwarzer Streif, der das Auge schneidet, oberhalb des Trommelfelles durchgeht und in den meisten Fällen hinter der Schulter endigt. Bei einigen Exemplaren kann man ihn, in einzelne Punkte aufgelöst, noch weiter nach hinten verfolgen. Der hintere Teil des Rückens zeigt in der Regel unregelmäßig an- geordnete dunkle Flecken. Die Extremitäten sind bei den heller ge- färbten, mehr gegen die Varietät x signata hinneigenden Vertretern der Art gewöhnlich mit dunklen Querbinden versehen, die an den Oberschenkeln durch eine schwarz und weiße Marmorierung ab- gelöst werden können. Am stärksten ist sie bei einigen dunklen Exemplaren, wo sie auf der inneren und äußeren Seite sogar über den ganzen Oberschenkel verteilt vorkommen kann und große weiße oder gelblich- weiße Stelleu einschließt. Eine ähnliche Marmorierung 1) Dum. et BiBR., Vol. 8, p. 592. 2) Peters, iu: Monatsber. Acad. Wiss. Berlin, 1872, p. 207 u. 218. 110 F. Baumann, können auch die Seiten aufweisen. Die Unterseite ist immer weiß und ungefleckt. Gegen den ünterlippenrand zu kann man bei einigen eine bräunliche Schattierung beobachten. PJiylloinediisa Wagl. Die Gattung ist allein vertreten durch Ph. burmeisfen Blnge. und Ph. hijpochondrkdis Daud. Bevor ich auf die Arten selbst ein- gehe, möchte ich auf die interessante Brutpflege der Gattung, wie sie von Gadüw ') nach Beobachtungen von Budgett -) speziell an Ph. hyijochondrialis und von v. Iheeing ^) an Ph. iheringi zusammen- fassend beschrieben wurden, mit einigen Worten kurz aufmerksam machen. Die Eier werden vom Weibchen unter Mithilfe des Männchens, immer ungefähr 100 zusammen, zwischen 2 Blätter einer über das Wasser hangenden Pflanze geklebt. Die Jungen entwickeln sich aus den dotterreichen Eiern sehr rasch und lassen sich, wenn sie das freie Larvenstadium erlangt haben, in das unter den Blättern liegende Wasser fallen, wo sie dann die weitere Entwicklung durch- machen. Phijlloniedusa hurmeisteri Blnge. Orgel-Gebirge. Nach den Angaben von Büemeistee *) muß die Art im Süden von Brasilien ziemlich häufig sein. Sie erreicht aber nie die Größe von P. hicolor, der mehr nördlichen Form, mit der sie früher, wegen der ähnlichen Färbung, vereinigt wurde, und läßt sich auch sonst durch einige deutliche Abweichungen hauptsächlich im Bau des Fußes leicht unterscheiden.'^) Die charakteristischen Merkmale sind die folgenden: die Zunge ist polsterförmig, hinten frei, ohne Ein- schnitt, mit rauher Oberfläche und zeigt am vorderen Ende 2 kleine 1) Gadow, Amphibia and ßeptiles, in: Caaibridge nat. Hist., Vol. 8, 1901, p. 203— 20(i. 2) BUDGETT, in: Quart. Journ. microsc. Sc. (N. S.), Vol. 42, 1899, p. 313. 3) V. Iheeing, in: Ann. Mag. nat. Hist. (5), Vol. 17, 1886. p. 461. .4) Büemeistee, Erläuterungen, Phyüomedusa bicolor, p. 111, tab. 32. 5) BOULENGEE, Catalogue, Phyllojurdusa bicolor, p. 427 ; I'. hur- Dieisleri, p. 428. Brasilianische Batrachier des Beruer Naturliistorischen Museums. Hl Spitzen. Die Vomerzahnhöcker sind kleiner als die Choanenölfnungen. Die Vomerzälme, in der Zahl von 5—6, sind bogenförmig angeordnet. Das Trommelfell erreicht die halbe Augengröße. Von den ganz freien Fingern ist der 1. kürzer als der 2., der 4. kürzer als der 3. Die 1. Zehe ist ziemlich länger als die 2. Die Saugscheiben an den Endgliedern der Finger und Zehen sind bedeutend kleiner als das Trommelfell. Die großen, vortretenden Parotideu erstrecken sich bis zum Kreuzbein. Die Farbe des einen Exemplars ist ziemlich gut erhalten und zeigt den bläulich-grünen Ton der Oberseite, die großen runden weißen Flecken der Flanken und der Seiten der Extremitäten, die weiße Linie, die dem Unterkiefer entlang geht, sich auf die Außenseite der Arme fortsetzt und namentlich am Unter- arm stark ausgeprägt ist, deutlich. Letztere erscheint dann wieder am Außenrand des Fußes und ist auch über dem After gut wahr- zunehmen. Die Finger sind bräunlich gefärbt, die Endglieder weiß. Die Bauchseite ist von hellbräunlicher bis rötlicher Farbe mit weißen Tupfen und dunklerem Netzwerk. I*h yUornedusa hypochondrialis Daud. Parä. Leider ist nur ein etwas vertrocknetes Exemplar der Art vor- handen, an dem allerdings die charakteristischen Zeichnungen und Färbungen noch einigermaßen erhalten sind. Die blaugrüne Farbe des Rückens, der weiße Saum der Oberlippe, die dunkelbraunen Quer- binden auf Oberarm, Flanken und Oberschenkel, die schmalen blauen Längsstreifen auf der Außenseite von Unterarm und Unterschenkel lassen sich noch deutlich erkennen. Aglossa. Pipidae. JPijxi Laue. Pipa anieriecma Laue, Parä. Die Tiere müssen der Zahl der vorhandenen Exemplare nach 112 F. Baumann, bei Parä und im unteren Amazonas häuflgf vorkommen. Einige sind von enormer Größe, bis 23 cm lang, und überragen also sogar Bufo marinus. Über die Lebensweise und die Brutpflege der Art macht Gadow ^) nach Beobachtungen von Geönbeeg u. Klinckowström ^) ausführliche Angaben. Die im Vorhergehenden beschriebeneu Batrachier stammen aus drei Sammelgebieten, aus der Colonia Alpina bei Theresopolis im Orgel-Gebirge, aus der Umgebung von Rio de Janeiro und aus Parä und dem Gebiete des unteren Amazonas. Aus der Colonia Alpina wurden mir von Herrn Prof, Goeldi weitere Batrachierlisten zur Verfügung gestellt. Sie wurden von Dr. G. A. Boulenger in London nach einer größeren Anzalil von Batrachiern, die ihm Prof. Goeldi im Herbst 1893 zur Bestimmung übersandt hatte, aufgestellt und sind bis jetzt noch nicht veröffentlicht worden. Im ferneren ist von Peters eine Abhandlung über eine Sammlung vou Batrachiern aus Neufreiburg im Orgel-Gebirge in den Monatsberichten der Berliner Akademie der Wissenschaften des Jahres 1873 und von Wandolleck eine solche aus Petropolis in den Abhandlungen und Berichten des zoolog. anthropol. ethnogr. Museums in Dresden des Jahres 1907 erschienen. Aus Neufreiburg führt auch Burmeister in seinen „Er- läuterungen" einige Exemplare an. von denen nur Hyla mesophaea Hensel in den anderen Verzeichnissen aus dem Orgel-Gebirge fehlt. Die Art ist wahrscheinlich eine seltne, da nur noch Peters und Boulenger je 1 Exemplar von Dr. Wucherer aus Bahia kennen. Es wird sich hier lohnen die einzelnen Listen zusammenzustellen, um so ein Verzeichnis der bis jetzt bekannten Batrachier und ein Bild der Batrachierfauna des ganzen Orgel-Gebirges zu erhalten. B a t r a c h i e r f a u n a des r g e 1 - G e b i r g e s. Von Dr. G. A. Boulenger wurden aus der Colonia Alpina bei Theresopolis folgende Batrachier bestimmt: 1. Elüsia iiasns Spix. 2. — bufoiiia GiE. 1) Gadow, Amphlbia and Keptiles, in: Cambridge nat. Hist., \'ol. 8, 1901, p. 149. 2) Grönberg u. Klinckowström, Zur Anatomie der Pipa ameri- cana, in: Zool. Jahrb., Vol. 7, Anat., 1894, p. 609. Brasilianische Batrachier des Beruer Naturhistorischen Museums. 113 3. Hylodes gollnieri Peteks 4. Ceratophrijs boiei WiED. 5. Palndicola sp. Blngr. 6. Leptodaciylus gaudichaudii Dum. et Bibr. 7. Biifo niarimis- Schn. 8. Hyla faber WiED. 9. — corticalis Buem. \ . . . 10. Hijla jnmdatissin/a Reinh. et LÜBK.' - PJUfer^ ^^^^-"^ 11. — ininula Peters U 12. — poh/taenia CoPE _ _ 13. — ncbnlom Spix - -^sctCuxAwjct > 14. — rubra Daud. 15. — c-atharina Blngr. 16. — goeldi Blkgr. 17. Hglella pyrjmaca Blngr. 18. — parrula Blngr.^) i- N .QM/ Die Sammlung- des Berner Naturhistorischen Museums enthält folgende Arten aus der Colonia Alpina bei Theresopolis : 1. Elosia laterislrigata n. sp. 2. Hylodes goeldii n. sp. 3. * — goUmeri Peters '^) 4. *Ceratophrys boiei WlED. 5. — ornata GtJN th. 6. Leptodactylus hngirostris Blngr. 7. — typhonms Daud. 8. — ocellatus AVagl. 9. ^Bnfo marinus Schneid. 10, *Hgla faber WiED. 11, — pardalis Spix 12, * — polytaenia CoPE 13, Phyllomediisa hurmeisteri Blngr. Eine Zusammenstellung der Batrachierlisten aus Theresopolis, Petropolis und Neufreiburg ergibt folgendes Verzeichnis der bis jetzt aus dem Orgel-Gebirge bekannten Batrachier. 1) Diese Art wurde beschrieben nach GoELDl'schem Material, in: Proc. zool. Soc. London, 1894, p. 646. 2) Die mit einem * versehenen Arten sind auch im Verzeichnis von BoüLENGER enthalten. 114 F. Baumaxn, Verzeichnis der Bat rac hier des Org^el-Gebirg-es. Art Thereso- Petro- Neu- polis polis freiburg 1. Elosia nasns Spix + + 2. E. hufonia Gibabd + — 3. E. (llvisa Wandolleck + — 4. E. lateristrigata n. S2h 1 — 5. Hylodes fjoeldii n. sp. — — 6. H. (joUmerl Peters + — — 7. H. niiliaris Spix -j_ — 8. H. petropolitatms Wandlk. — -f- — ■ 9. Ceratojihrys appendiculata Gthr. — + — 10. C. boiei Wied -|- + — 11. C. ornata Gthr. -|- — 12. C. ohausi Wandlk. — _|_ — 13. Palndicola olfersi Mart. — -- — 14. P. sp. Blngr. -(- — — 15. Leptodadylus longirostris Blngr. -|- — — 16. L. typhon'ms Daud. -(- — + 17. L. ocdlatus VVagl. -}- — 18. L. yaudichaiidii Dum. et Bibr. -|- — — 19. Bufo marinus Schneid. -j- — — 20. B. crucifer Wied — + — 21. ITyla faber Wied + + — 22. H. pardalis Spix + — 23. H. corticalis Bürm. + — + 24. H. alhomarginata Spix + 25. H. punctatisswia Reinh. et Lübk. + — 26. H. mesophaea Hensel — — 27. H. pidchella Dum. et Bibr. — — -- 28. S. microps Peters — — -- 29. H. aurantiaca Daud. — — -- 30. H. minuta Peters + — — 31. H. strigüata Spix — — 32. H. polytaenia Cope + — — 33. H. nebulosa Spix + — — 34. H. rubra Daud. + — + 35. H. catharina Blngr. + — 36. H. goeldi Blngr. + — — 37. H. ohausi Wandolk. + — 38. Hylella pygmaea Blngr. + — 39. H. parvula Blngr. + — — 40. Phyllomedusa burmeisteri Blngr. + — + Batrachier von Rio de Janeiro. Die von Dr. Nägeli in der Umg-ebung von Rio de Janeiro ge- sammelten und dem Berner Museum geschenkten Batrachier sind die folgenden: 1. Lepiodactijlns ocellalus Wagl. 2. Bufo mariniis Schneid. Brasilianische Batrachier des Beruer Naturhistorischen Museums. 115 3, — criicifer Wied. 4. Hyla alhoiiiarginnta Svix Aus den Werken von Spix, Peteks, Burmeistee und aus dem Katalog des British Museums können für Rio de Janeiro folgende Arten ausgeführt werden: 1. Elosia vomerhia GiE. 2. Hylodes binotatus Spix 3. Leptodadylus pentadactylus Laue. 4. — ocellatiis "Wag-l. 5. — gaudichaudii Dum. et Bibe. 6. Zaehaenus 2^<^'>'vulus GiR. 7. Dendrophryniscus hreinpollicatus Espad. 8. Biifo niarintis Schneid. 9. — crucifer Wied 10. Hyla faber Wied 11. — pardalis Spix 12. — corticalis BuEM. 13. — albomarginata Spix 14. — senicula Cope __JL5._ — rvhra Daud. 16. Pliylloivedusa bnrmeisteri Blnge. Ein Vergleich dieses Verzeichnisses mit demjenigen des Orgel- Gebirges ergibt, daß außer Elosia vomerina Gieaed, Leptodadylus pentadactylus Laue., Zachae^ius parvulus Gieaed, Dendropliryniscus brevipoUicatus Espada und Hyla senicula Cope alle bei Rio de Janeiro gefundenen Batrachier auch im Orgel-Gebirge vorkommen. Aus der ganzen Provinz Rio de Janeiro sind also bis jetzt die in der Orgel-Gebirg-Liste angeführten 40 Arten und die 6 für Rio de Janeiro, im ganzen 46 Batrachier-Arten, bekannt. Batrachier aus P a r ä und dem Gebiete des unteren A m a z n a s. Hierher gehören die übrigen brasilianischen Batrachier des Berner Museums, 1. Dendrobates tinctorius Wagl. 2. Bufo marinus Schneid. 3. — typhonius Schneid. 4. Hyla ap2)cndicidata Blnge. 5. — boans Daud. 6. — vemdosa Daud. 7. — resinifictrix Güeldi 8. — rubra Daud. 9. Piiyllomedusa hypocliondrialis Daud. 1 0. Pipa aviericaua Laue. 116 F. Baumank. Vereinigen wir diese Arten mit denjenigen, die Spix ^). Stein- DACHNER^) und BouLENGER ^) aiis dem Gebiet anführen, so erhalten wir folgendes Verzeichnis der bis jetzt bekannten Batrachier. Bat rac hier aus Parä und dem unteren Amazonas. Unterer Art Paivä Santarem Ama- zonas*) l. Rana ])almipes Spix + 2. Dendrobates tinctorins Wagl. 4- + 3. D. trivitfatus Spix — — 4. Hypopaclms variolosus Copb + — — 5. Hylodcs hinotatns Spix — + B. H. »tiliaris Spix — — + 7. Cercitophrys cornuta L. + 8. Paludicold hilkjoniyera Cope -|- — 9. P. kröyeri Reinh. -)- — — 10. Leptodactylus lonyirostris Blngb. — + — 11. L. pentadacUjlns IjAUr. -f- + 12. L. typhonms Daüd. -|- — IB. L. ocellatus L. -|- — — 14. Bnfo marinns Schneid. -- — + 15. B. crncifer Wied — 16. B. typlionins Schneid. -|- 4- + 17. Hyla appendicnlata Bingr. -\- + 18. H. inframaculata Blngr. — + — 19. H. alhomarghuita Spix + — 20. H. punctata Üaud. — + 21. H. yranosa Blngr. — + 22. H. hoans Daüd. + + — 23. H. taurina Steind. + — 24. li. venulosa Daüd. + + + 25. H. resinifictrix Goeldi + 26. H. acuminata Cope + — 27. H. rubra Daüd. + + + 28. Phyllonieditsa vaillantii Blngr. + — 39. P. Jn/iiocJioiidriaHs Daüd. + + — 30. Heiuipltractus scutatus Spix + — 21. Pi2M americana Laub. + — + Ohne genauere Ortsangabe. II. Geographische Verbreitung der Batrachier in Brasilien. Einleitung. Klinmverhältnisse und dadurch bedingte Vegetationsunterschiede spielen bei zoogeographischen Untersuchungen die Hauptrolle. Daß 1) Spix, Spec. nov. Test. Ran. 2) Steindachner , Batracholog. Mitteilungen Ges. Wien, Vol. 14, 1864. 3) BouLENGER, Catalogue. in : Verb, zool.-bot. Brasilianische Batrachier des Berner Naturhistorischeu Museums. 117 sie bei Tieren von seßhaftem Charakter oder solchen, die infolge ihres Körperbaues keine g-roßen Wanderungen unternehmen, noch mehr ins Gewicht fallen, ist einleuchtend. Das Vorkommen von Batrachiern ist abhängig- von mehr oder weniger großem Wasser- reichtum und nicht zu großen Temperaturschwankungen. Natürlich geht Hand in Hand mit diesen Bedingungen eine mehr oder weniger üppige Vegetation, so daß man umgekehrt aus den lloristischen Verhältnissen eines Landes Schlüsse auf Klima und Hydrographie ziehen kann. Ihre größte Verbreitung erlangen also die Batrachier in feuchten warmen Tropengegenden. Brasilien, das zum weitaus größten Teil in den Tropen liegt und keine großen Temperaturschwankungen, dafür aber wenigstens in vielen Teilen großen Wasserreichtum aufweist, ist in jeder Be- ziehung geeignet eine große Zahl von Batrachiern zu beherbergen. Die Liste der bis jetzt bekannten brasilianischen Batrachier zeigt uns dies deutlich (s. Zusammenstellung am Schluß). Die klimatologischen und hydrographischen Verhältnisse sind nun aber auch in Brasilien nicht überall dieselben, sondern das Land läßt sich von diesen Gesichtspunkten aus ohne große Schwierig- keiten in natürliche Zonen oder Provinzen einteilen, die, charak- terisiert durch eine bestimmte Vegetation, bis zu einem gewissen Grade auch eine charakteristische Fauna besitzen. Bevor wir nun aber auf die uns gestellte Aufgabe eingehen, möchte ich doch einen kurzen geschichtlichen Rückblick auf die über tiergeographische Verhältnisse in Biasilien überhaupt in Süd- amerika veröffentlichten Arbeiten tun. Der Erste, der sich damit beschäftigte, war Burmeister. Schon von ihm wurde Brasilien in drei große tiergeographische Provinzen eingeteilt, die noch heute ihre Berechtigung haben. 1871 erschien dann an Hand der Sammlungen Natterer's eine Ornithologie Brasiliens mit tiergeographischen Ausführungen von A. V. Pklzelx. Erst 1899 ging H. v. Jhering wieder auf diesen Punkt ein, indem er eine tiergeographische Einteilung der Vögel von Süd-Brasilien namentlich von Sao Paulo, in: Proc. zool. Soc. London, publizierte. In neuester Zeit wurde nun von Herrn Prof. Goeldi anläßlich seiner Vorlesungen über Tiergeographie für die süd-ameri- kanischen Verhältnisse, an Hand seiner Untersuchungen an Vögeln tind Säugetieren, eine zoogeographische Karte zusammengestellt. Die Karte ist bis jetzt noch nicht veröffentlicht worden, wurde mir aber von Herrn Prof. Goeldi in liebenswürdigster Weise zur Verfügung 113 ^- Bacmivnn, gestellt. Die einzelnen Gruppen der Batrachierfaima lassen sich, wenigstens in der Hauptsache, auf die von ihm angeführten tier- geographischen Provinzen verteilen. Wenn wir nun auf die Einteilung selbst zu sprechen kommen, so unterschied Burmeister die drei folgenden tiergeographischen Regionen in Brasilien. I. Das nordwestliche Urwald- oder A m a z o n e n s t r o m - gebiet. II. Das südwestliche Urwald- oder Küstengebiet. III. Das innere oder Cam posgebiet. Schon BüRMEisTER ließ sich bei seiner Einteilung von dem Ge- danken leiten, wie dies aus den Namen hervorgeht, die er seinen Provinzen gibt, daß die Fauna eines Gebietes eng an die Flora ge- bunden ist und daß, daraus resultierend, tiergeographische Ein- teilungen sich mit pflanzengeographischen in weitgehendem Maße decken müssen. Diese großen Regionen zerfallen nun aber nach neueren Untersuchungen in mehrere Unterregionen, und da ging die Pflanzengeographie der Tiergeographie bahnbrechend voran. Botaniker wie ScHiMPER, Drude u. A. legten auch ihren Untersuchungen im großen die allgemeine BuRMEisxER'sche Einteilung zugrunde. Nach der Florenkarte, die Sievers au Hand dieser Unter- suchungen in seinem Werk über Mittel- und Südamerika veröffent- licht, zerfällt nun Brasilien floristisch in folgende Regionen : I. Region d e r ä q u a t o r i a 1 e n U r w ä 1 d e r d es A m a z o n en- Stroms. IL Caatingaregion. III. Camposregion. IV. Region der Küsten wäl der. V. A r a u c a r i e n r e g i n. Die Region der äquatorialen Urwälder des Amazonenstroms ent- spricht dem ersten Gebiet der *BüRMEisTER'schen Einteilung, dem „nordwestlichen Urwald- oder Amazonenstromgebiet". Das „Campos- gebiet" Burmeister's würde zum größten Teil Caatinga- und Campos- region der SiEVERs'sclien Einteilung umfassen; das ,.südöstliche Ur- wald- oder Küstengebiet" vor allem die Region der Küstenwälder, dann aber auch wenigstens einen Teil der Araucarienregion, da es sich bis an die Grenzen von Rio Grande do Sul nach Süden er- streckt. In diese großen pflanzengeographischen Regionen lassen sich sowohl die tiergeographischen Provinzen, die Goeldi für Säugetiere Brasilianische Batrachier des Berner Naturhistorischen Museums. 119 und Vögel aufstellt, wie die meinen für Batrachier, zwanglos ein- reihen. I. Äquatoriale Region, ßeglou der äquatorialen Urwälder des Aniazouenstromes. Die nachfolgenden allgemeinen klimatologischen hydrographi- schen und pflanzengeographischen Ausführungen wurden zum größten Teil dem SiEVEEs'schen Werk über Süd- und Zentralamerika ent- nommen. In Betracht kam ferner vor allem die Pflanzengeographie von SCHIMPEK. Amazonien, das Land des Amazonenstromes und seiner Zuflüsse ist das größte tropische Tiefland der Erde. Ohne weiter seinen geologischen Bau und seine Entstehung in Betracht zu ziehen, möchte ich gleich auf die für uns hier vor allem in Frage kommen- den klimatologischen und pflanzengeographischen Verhältnisse ein- treten. Das Klima gehört zu den regelmäßigsten und gleichförmig- sten der Erde. Die Wärme ist außerordentlich gleichmäßig verteilt, und es bestehen nur minimale Unterschiede zwischen Sommer- und Wintermaximum. Die mittlere Jahrestemperatur des ganzen Ge- "bietes beträgt ungefähr 25 •^ C. Mit der Wärme ist auch die Feuchtigkeit eine regelmäßig ver- teilte. Sie nimmt nach den Cordilleren hin zu und ist im Westen des ganzen Gebietes eine bedeutend größere als im Osten. Am Fuße der Cordilleren erreicht sie ihr Maximum, Hier ist kein Monat ganz regenlos, es tritt nur eine Verminderung der Niederschläge in den Monaten November bis April ein. Am oberen Amazonas bei Teffe z. B. hat man dann schon zwei deutlich getrennte Regenzeiten, eine große von Ende Februar bis Juni und eine kleine von Mitte Oktober bis Mitte Januar. Je weiter man nun nach Osten kommt, desto trockner wird das Klima. In Manaus wird die kleine Regenzeit ganz unbedeutend, und Parä besitzt nur eine vom Januar bis Mai. Es regnet aber auch hier in der Trockenzeit. Letztere ist am ausgeprägtesten in der Gegend von Santarem, die zwischen den trockenen Teilen Guayanas und Nordost-Brasiliens liegt und vom kühlen trockenen Nordostpassat bestrichen wird. Wir werden später sehen, daß dadurch bedingt auch Unterschiede in der Flora und Fauna dieser Gegend auftreten. Dem Klima und den hydrographischen Verhältnissen entsprechend ist das ganze Land von einer tropischen Vegetation bedeckt. Ein •ungeheurer Urwald erstreckt sich vom Fuße der Cordilleren bis zur Zool. Jahrb. XXXIII. Abt. f. Syst. 9 120 F. Baümann, Mülldung des Amazonenstromes. Im hinteren feuchteren Teil dehnt er sich weit nach Süden, bis zum 12 '^ südlicher Breite, aus und schließt die Quellen des Madeira ein, während er sich nach Osten hin, im vorderen trockneren Teil, mehr nach Norden zurückzieht und nur den Nebenflüssen entlang fingerförmig weit nach Süden vordringt. Der Wald läßt sich in den meisten Fällen in zwei Teile teilen, in denjenigen der Überschwemmungsgebiete den Flüssen ent- lang und in denjenigen der terra firme. Im ersten, dem Igapowald, sind Palmen vorwiegend, während Laubhölzer keine große Entwick- lung erlangen. Im zweiten, im Etewald, dominieren die Laubhölzer, vor allem Lorbeer- und Ficus-Arten, und erreichen große Höhen. Lianen und Epiphyten fehlen im Überschwemmungswald, während es im Etewald davon wimmelt. An der Grenze zwischen beiden treten gewöhnlich große ßambusbestände auf. Vegetationsbezirke lassen sich in diesem Urwald schwer unter- scheiden. Mit einigem Recht läßt sich das Gebiet des Rio Negro und seiner Zuflüsse, das sich durch eine etwas weniger üppige Vege- tation auszeichnet, vom großen Urwald des Amazonenstromes ab- trennen. GoELDi stellt für dieses Gebiet auch einen eigenen Faunen- bezirk auf. Ein zweites abweichendes Gebiet ist, wie wir schon weiter oben angedeutet haben, die Gegend von Santarem. Hier tritt, hervor- gerufen durch das veränderte Klima, die Cainposformation mit ihrer typischen Savannenbildung mit Bromelien, Cacteen, Zwergpalmen und dürren kurzen Gräsern an den Amazonenstrom heran. In der trockenen Zeit behalten nur die Bäume der einzelnen Waldinseln ihr Laub. Dadurch unterscheidet sich das Gebiet von den Caatinga- wäldern Brasiliens und zeigt mehr Verwandtschaft mit den Savannen- wäldern Guayanas. Wie wir sehen werden, weicht auch die Fauna, wenigstens in Hinsicht auf die Batrachier, in diesem Gebiet von der- jenigen des übrigen Amazonengebietes erheblich ab. Die zoogeographische Einteilung schließt sich eng an die pflanzengeographische an, nur muß man hier mehr Unterprovinzen unterscheiden. So beherbergt das Gebiet des Oberlaufes des Ama- zonenstromes mit seinen Zuflüssen infolge seiner großen Niederschlags- mengen und Feuchtigkeit zum Teil eine andere Fauna als der Unter- lauf mit seinem trockneren Klima. Goeldi teilt das Gebiet des Oberlaufes noch weiter in zwei Provinzen und stellt sie derjenigen des Unterlaufes gegenüber. Seine Einteilung ist folgende: 1. Unter -Amazonische Provinz, Brasilianische Batrachier des ßerner Naturhistorischen Museums. 121 2. Ober -Amazonische Provinz (Madeira -Purus-Jurna, Cisandiscli Nord-Bolivien, Ost-Peru und Oberlauf des Amazonas), 3. Rio Neg-ro-Rio Branco-Provinz. Meine Einteiluno: an Hand der Batrachierverbreitung weicht, wie wir sehen werden, von dieser etwas ab. Genaue Grenzen zwischen den einzelnen Gebieten zu ziehen ist unmöglich, doch kann man die Provinzen ungefähr umschreiben. 1. Die unter-amazonische Provinz erstreckt sich von der Mün- dung des Amazonenstromes bis in die Gegend von Manaus. Sie schließt Parä, Marajö in sich ein, verläuft beidseitig des Amazonen- stromes und geht an den Nebenflüssen, hauptsächlich an den süd- lichen, weit ins Innere. Sie entspricht ungefähr dem Gebiet mit einer Regenzeit. 2. Von ihr möchte ich die Gegend von Santarem als eigenen kleinen Faunenbezirk abgrenzen. 3. Die ober -amazonische Provinz umschließt die Gebiete am oberen Amazonenstrom und erstreckt sich bis an den Fuß der Anden. Ihre größte Ausdehnung hat sie aber auf der Südseite des Stromes, wo sie an den großen Wasserläufen des Madeiras, Purus, Jurna und Ucayali weit nach Süden geht. In sie erstrecken sich außer brasi- lianischem Gebiet auch nord-bolivianische und ost-peruanische Land- striche, deren Batrachierfauna, soweit sie bekannt ist, auch in Be- tracht gezogen wurde. 4. Als weitere Provinz stellt Goeldi die Rio Negro-Rio Branco- Provinz auf. Sie liegt ganz nördlich des Amazonenstromes und schließt die Plußläufe des Rio Negro und des Rio Branco mit ihren Nebenflüssen in sich ein. Wie es sich hier mit der Batrachierfauna verhält, darüber kann ich keine Angaben machen, da mir nur ganz vereinzelte Notizen über einige wenige allgemein verbreitete Arten und keine Listen von größeren Sammlungen zur Verfügung stehen. Spix allein hat am Rio Negro einige Batrachier gefangen und be- schrieben, sonst ist meines Wissens nichts mehr aus dieser Gegend über diese Wirbeltiergruppe veröffentlicht worden. Aus diesen Gründen kann ich die Provinz nicht für sich behandeln und ver- einige sie bei den folgenden Betrachtungen mit der ober-amazoni- schen Provinz, mit der sie die größte Verwandtschaft aufweisen wird. Bevor wir nun aber auf die Besprechung der Batrachierfaunen der einzelnen Provinzen eintreten, möchte ich an Hand der mir zu- gänglichen Literatur ein Verzeichnis der Batrachierfauna des ganzen amazonischen Urwaldgebietes zusammenstellen. Von Forschern, die 9* 122 F. Baum ANN, sich mit diesem Gegenstand beschäftigt haben, seien Spix, Stein- PACHNER, CopE. BouLENGER, GoELDi erwähnt. Batrachier der äquatorialen Urwälder des Amazonenstromes. Uuter- Araazonas Santarem Ober- Amazonas Rana palmipes Spix + _ R. copii Blngh. — + R. niyrilatus Cope — — + DendrohatKS tinctorhis Schneid. 4- + D. trivittatus Spix -j- -- i>. labialis Cope — -- Hypopachus variolosus Cope + — Engystoma microps Dum. et Bibr. — -- Rseudis limelhun Cope — — — Hylodes yriseus Cope — — + H. binotatus Spix + — H. sulcatus Cope — + H. miliaris Spix + — Ceratophrys cornuta L. + + Edtdorhina plicifrons Cope — + Paludicola biligonigera Cope -{- — P. kröyeri Reinh. -j- — — Leptodactyhis longirostris Blngk. — + — i. pentadactylus Laur. + — L. typhonius Daud. + — + L. ocellatus L. + — . Plectromantis rhodostigma Cope — + Biifo marinus Schneid. + — + B. crncifer Wied -i- — — B. typhonms Schneid. + + — Hyla maxima Laur. — H. appendiculata Blngr. + — — H. inframaculata Blngk. -- — H. alhomarginata Spix -|- — — JEf. punctata Schneid. -\- — — H. granosa Blngr. — + — H. boans Daud. + + — H. iaiirina Steind. + — H. plaviceps Cope — + H. rciiulosa Laur. + + + H. resinifidrix Goeldi + H. nebnlosa Spix — + H. acuminata Cope — + H. rubra Daud. + + — Hylella carnea Cope -- Phyllomednsa palliata Peters — — — P. bicolor PoDD. — — — P. vaillantii Blngr. — + — P. tarsius Cope — + P. toni opfern n Cope — — + P. hypocltoiidrialis Daud. + + Heuiiphractus scutatus Spix + + PijP« atnericana Laur. + — — Brasilianische Batrachier des Berner Natnrhistorischen Museums. 123 Aus dieser allgemeinen Liste, in welcher auch die Verteilung der einzelnen Arten auf die 3 Provinzen angeführt wurde, lassen sich, in bezug auf die Batrachierfauna dieser, folgende Schlüsse ziehen. 1. Unter -amazonische Provinz. Sie weist eine ganze Reihe von Formen auf. die sowohl der Gegend von Santarem wie dem oberen Amazonas-Gebiet fehlen. Es sind die folgenden : Hana pahnipes, Hypopachus variolosus, Hylodes binotatus, Hylodes miliaris, Paludicola Uligonigera, Paludicola hröyeriy Leptodadylus pentadadylus, Leptodadißus ocellaüis, Bufo crucifer, Hyla resinifidrix, Pipa americana. Von diesen Arten fehlen allerdings nur 4 dem übrigen Brasilien ganz : es sind Pana palmipes, Hypopadms variolosus, Hyla resinifidrix y Pipa americana, und nur Hyla resinifidrix wurde bis jetzt nur in der unteramazonischen Provinz gefunden. Die anderen 3 sind mehr dem Norden von Südamerika eigen, wurden zum Teil auch in Zentral- amerika, sogar in Mexiko gefangen. Die übrigen sind tj^pische brasilianische Arten, die, wenn sie auch dem Gebiet des Oberlaufes des Amazonenstromes fehlen, doch anderen Provinzen eigentümlich sind. Die meisten kommen, wie wir später sehen werden^ wieder in der litoralen Provinz und der Bergregion von Rio de Janeiro vor. 2. Gegend von Santarem. Die hier vorherrschende Camposlandschaft, wie sie näher bei den pflanzengeographischen Ausführungen beschrieben wurde, be- herbergt eine ganze Zahl eigentümlicher Batrachierformen. Es sind die folgenden: Leptodadylus longirostris , Hyla infrainacidata , Hyla granosa, Hyla taurina, Hyla acuminata, Phyllomedusa vaillantii. Sie fehlen dem Urwald des Amazonenstromes. Leptodadylus longirostris wurde von Goeldi auch im Orgel-Gebirge gefangen. Hyla granosa, Hyla taurina, Hyla acuminata wurden auch in Guaj^ana, erstere ebenfalls im Innern von Brasilien beobachtet. Hyla infra- maciUata und Phyllomedusa vaillantii sind bis jetzt nur der Campos- Insel von Santarem eigen. Die Batrachierfauna von Santarem zeigt in ihren eigentümlichen Formen am meisten verwandtschaftliche Beziehung mit derjenigen der Savannen von Guayana. 124 F. Baumann, 3. Ober-am azonisch e Provinz. Die politischen Grenzen Brasiliens wurden bei der Betrachtung dieses Gebietes nicht berücksichtigt , sondern die infolge ihrer klimatologisclien Verhältnisse hierher gehörenden Teile von Ecuador und Bolivia ebenfalls beigezogen, soweit sie dem Amazonas-Gebiet angehören. Diese Provinz weist den beiden anderen amazonischen gegen- über eine ganz eigentümliche Batrachierfauna auf So kommen nur ihr die folgenden Arten zu, die aber auch zum größten Teil dem übrigen Brasilien fehlen. Rana copii, Eana nigrilatus, Dendrohates labialis, Engijstoma microps, Pseudis limellum, Hylodes griseus, Hylodes sidcatus, Edalorhina plicifrons, Fiedromaniis rJwdostignia, Hyla niaxima, Hyla planiceps, Hyla nebtdosa, Hylella carnea, Phyllomedusa palliata, Phyllomedusa hicolor, Phyllomedusa tarsius, Phyllomedusa tomopterna. Von diesen Arten kommen nur Hylodes griseus, Hyla maxima, Hyla nehiäosa in anderen Provinzen vor und Engystoma microps und Phyllomedusa hicolor in Guayana. Die anderen Formen wurden nur im Gebiet des Oberlaufes des Amazonas gefunden, das also eine ganze Anzahl eigener charakteristischer Arten aufweist. Neben diesen mehr den einzelnen Provinzen charakteristischen Arten kommen aber, wie aus der allgemeinen Tabelle ersichtlich ist, auch viele weitverbreitete Formen vor, die entweder im ganzen Amazonenstrom-Gebiet oder doch in mehr als einer Provinz beobachtet wurden. Von den im Verzeichnis angeführten 48 Arten kommen nur 3 im ganzen Gebiet vor. Es sind: Bufo typhonins, Hyla venu- losa und Hyla rubra. Sie müssen für klimatologische Unterschiede wenig empfindlich sein, da aus der Literatur eine Menge Fundorte zu verzeichnen sind. Die größte Verbreitung von allen dreien, wenn nicht von allen brasilianischen Batrachiern überhaupt, weist Hjla rubra auf. Sie kommt im Norden wie im Süden gleich häufig vor, bevölkert Guayana und Ecuador, aber auch Uruguay und geht also über den Wendekreis hinaus. Die beiden anderen sind mehr dem äquatorialen Südamerika eigen, gehen im Süden nicht über Matto Grosso hinaus, wurden aber auch in Guayana und Bufo typhonius auch in Ecuador beobachtet. Von den übrigen Bewohnern des feuchten Urwaldes des Ama- zonenstrom-Gebietes möchte ich noch vor allem diejenigen heraus- Brasilianische Batracbier des Berner Naturbistorischeu Museums. 125 greifen, die hier ihr Hauptverbreitungsgebiet haben und dem übrigen Brasilien mehr oder weniger fehlen. In erster Linie müssen hier die Vertreter der Gattung JRana angeführt werden, die nicht über das Amazonas-Gebiet hinaus weiter nach Süden gehen. Von ihnen bevölkert Bana palmipes Ecuador, ferner Zentralamerika, aber auch Mexiko, Die beiden anderen Arten, Rana copii und Bana nigrüatus, sind nur am oberen Amazonen- strom gefunden worden. Von Firmisternia sei ferner die Gattung Bendrohates erwähnt. Von ihren brasilianischen Vertretern ist Bendrohates labialis nur dem Oberlauf des Amazonenstromes eigen, während Bendrohates tinctorius und Bendrohates trivittatus mehr den Unterlauf bevölkern, aber auch in Guayana beobachtet worden sind. Keiner dieser 3 geht über das amazonische Urwaldgebiet hinaus weiter nach Süden. Um so merkwürdiger ist dann das Vorkommen des später zu behandelnden Bendrohates hraccatus in Matto- Grosso, der dem Amazonas- Gebiet ganz fehlt. Ferner haben wir auch für die Gattung Pkyllomedusa ein Haupt- vorkommen im Amazonas-Gebiet und hauptsächlich in der ober- amazonischen Provinz. Von den amazonischen, vielleicht besser äqua- torialen, Arten bewohnen nur Phyllomedusa hicolor und Phyllomedusa JujpocJiondrialis weiter Guayana, letztere auch Pernambuco, aber auch Süd-Brasilien. Von den anderen kommt keine im Süden vor. Der Süden hat, wie wir später sehen werden, seine eigenen, wenig zahlreichen Arten. Ebenfalls mehr äquatoriale Gegenden bevölkert Pipa americana, die nur noch in Guayana gefunden worden ist und dem Süden gänz- lich fehlt. Im Gegensatz zu diesen Gattungen, die hier ihre Hauptver- jbreitung haben, stehen nun einige, die nur spärlich vertreten sind. Die Leptodactyliden spielen eine ganz untergeordnete Rolle. Nur der Kosmopolit Leptodadylus typJionius kommt in der ober- amazonischen Provinz vor, die anderen 3 Formen Leptodactylus longirostris, Leptodactylus pentadactylus und Leptodactylus ocellatus sind nur dem Unterlauf eigen, kommen aber auch im Süden vor. Hire Hauptverbreitung haben alle Lejjtodactylits- Arten im Küstenurwald, allgemein im Süden von Brasilien. Ganz fehlt dem Amazonas-Gebiet die Gattung Elosia und mit einer Ausnahme, Ceratophrys corniita, die aber dafür nur hier ge- funden wird, die Ceratophrys- Arien. 126 I'- Baumann, Eine kurze Zusammenfassung der gemachten Ausführungen er- gibt für die Batrachierfauna des amazonischen ürwaldgebietes folgende charakteristische Tatsachen : 1. Raniden, Dendrobatiden und Piim americana sind mit einer einzigen Ausnahme nur diesem brasilianischen Gebiet eigentümlich. Durch sie steht es in Verbindung mit dem Norden von Südamerika und mit Mittelamerika. 2. Die Gattung Elosia fehlt vollkommen. 3. Die Gattung Ceratophrys ist allein vertreten durch die nur hier vorkommende Art Ceratophrys cornuta. 4. Le2)todadylus- Arten sind wenig zahlreich; diese Gattung hat ihr Hauptverbreitungsgebiet im Süden von Brasilien. 5. Bufoniden und Hyliden besitzen einige charakteristische Arten, wie Bufo typlionius, Hyla taurina, HyJa planiceps, Hyla resimfictrix, Hyla acwninata, Hylella carnea, im amazonischen Urwald, die aber zum Teil auch in Guayana heimisch sind. 6. Die Gattung Phyllomedusa hat ihr Hauptvorkommen im Gebiet des oberen Amazonenstromes und zeichnet sich hier durch eine An- zahl eigener Formen aus. 7. Verwandtschaftsbeziehungen zu anderen Provinzen durch weit- verbreitete Arten, wie wir sie bei den anderen häufig antreffen, sind in der ober-amazonischen Provinz wenig zahlreich. Wir treffen hier eine charakteristische, mehr abgeschlossene Batrachierfauna mit wenigen allgemeinen Arten an. Häufiger sind sie schon in der Gegend von Santarem, vor allem aber in der unter-amazonischen Provinz. Auch sie zeigen wieder eine Anlehnung an die Batrachier- fauna von Guayana und des Nordens von Südamerika im allgemeinen und nur wenige Berührungspunkte mit derjenigen der Caatinga- wälder, mehr mit derjenigen der Urwälder der litoralen Provinz und der Bergregion von Südost-Brasilien. IL Zentral-Brasilianische Region. Region der Campos und Caatiugawälder. Die zentral-brasilianische Region umfaßt den größten Teil des Innern des brasilianischen Plateaus. Was die Grenzen anbetrifft, so sind mir, in der Hauptsache wenigstens, diejenigen, die Goeldi in seiner Einteilung anführt, maßgebend. Im Norden grenzt die Region Brasilianische Batrachier des Berner Naturhistorischen Museums. 127 an das amazonische Urwald^ebiet. Die Grenze zu ziehen ist schwierig-, da Camposlandschaft und Caatingawälder zwischen den Flüssen weit nach Norden gehen, während umgekehrt der Urwald den Flüssen entlang weit ins Innere vordring-t. Im Nordosten erstreckt sie sich bis ans Meer. Nach Goeldi schiebt sich allerdings ein schmaler Ausläufer des Küstenurwaldes der litoralen Provinz nach Norden vor und würde die Caatingawälder vom Meer abtrennen. Es mag dies seine Richtigkeit haben, ist sogar einleuchtend, für Vögel und Säugetiere und wahrscheinlich auch für Batrachier, so daß wir hier eine schmale Zone mit Küstenfauna vor uns haben würden, doch fehlt mir für die Batrachier Material mit genauen Fundortsangaben. Ich lasse deshalb in meiner Einteilung die Caatinga-Provinz bis ans Meer gehen. Im Osten geht die Region bis an den Fuß der ost- brasilianischen Randgebirge, überschreitet im Süden den Paranä, schließt den größten Teil von Paraguay in sich ein und erstreckt sich bis in den Norden des Staates Rio Grande do Sul. Die West- grenze wird gebildet vom Paraguay und dem Guapore, dem östlichen Quellfluß des Madeira. Aus den Werken von Sievers und Schimpee lassen sich nun in bezug auf Bau, klimatologische, hydrographische und floristische Verhältnisse folgende Tatsachen entnehmen. Denudation und Erosion haben dem Plateau sein charakte- ristisches Aussehen gegeben. Die Denudation verwandelte die ur- sprüngliche Ebene in ein System von übereinander gelagerten Terrassen und trennte zahlreiche kleine Plateaus von der Haupt- scholle ab. In diese Landschaft haben sich nun die Flüsse weite Becken oder Erosionsrinnen eingefressen. Die ganze Scholle, die 200 — 700 m über Meer liegt, fällt nach Norden, Westen und Süden terrassenförmig ab. Entwässert wird sie nach drei großen Strom- gebieten hin, im Norden nach dem Amazonenstrom, im Osten nach dem S. Francisco und im Süden nach dem Paranä. Das Klima unterscheidet sich ziemlich stark von demjenigen des Amazonas-Beckens. Heiße Regenzeiten werden von kühlen Trocken- zeiten abgelöst, aber auch die mittleren täglichen Schwankungen sind bedeutende. Die starken Abkühlungen werden durch kalte Südwest- und Südostwinde hervorgerufen. In der Trockenzeit tritt häufig ein starker Nordwind auf. Die Trockenzeit dauert vom April bis in den Oktober mit Regenmangel, Blattfall, großer Dürre, die Regenzeit vom November bis April mit tropischen Sommerregen. In Matto Grosso ist die Trockenzeit am schärfsten ausgebildet und 128 F. Baumann, auch die Temperaturunterschiede die größten. Im Norden von Zentral-Brasilien dauert die Trockenzeit dagegen weniger lang, und auch die Temperaturschwankungen sind weniger groß. Die Vegetation dieser ßegion besteht aus drei Bestandteilen, aus 4en Campos, den Caatinga Wäldern und den tropischen Urwäldern. Diese letzteren treten im Innern von Matto Grosso und Goyaz an den Westabhängen der Plateaus, unabhängig von Flüssen, in Form von Bergwäldern auf, mit Palmen, Mimosen, Lianen und Kletterpalmen, z o y -ci 5 a «1 ^ bts 50 o Art feg So 5 2 ee rt &< c -? H. senicls(la Cope _u H. melanargyrea Cope — — — — — — + H. velata Cope — — — — — — + H. rubicundula R. et L. — — — — + — + H. nigra Cope — + — — — + H. rubra Daud. — + — — + + + + i- Nototrema fissij^es Blngr. — — — + + Hylella tenera R. et L. — — — — + + Fhylloniedusa burmeisteri Blnür. — — — — + 1 + + P. hypochondrialis Daud. — — — — + + Der zentral-brasilianischen Region sind folgende Staaten, oder wenigstens ein Teil von ihnen, zuzurechnen: Matto Grosso, Goyaz, Maranhao, Piauhy, Cearä, Rio Grande do Norte, Parahyba, Pernam- buco, Sergipe, das Hinterland der Staaten Bahia, Minas Geraes, Sao Paulo, Paranä, S. Catharina. Wenn wir nun auf die Batrachier zu sprechen kommen, die diese Region bewohnen, so ist es nicht leicht, aus den verschiedenen für uns in Betracht kommenden Faunenlisten die charakteristischen Arten herauzufinden, da für viele nur ganz allgemeine Ortsangaben angegeben sind. In verschiedenen Teilen sind auch gar keine Batrachier gesammelt worden. Wenn ich aber die Arten der nord- östlichen Staaten, also von Maranhao bis Pernambuco und Sergipe, hierher zäiile, so bin ich keinen Augenblick im unklaren, daß auch Küstenformen mitlaufen. Leider sind auch hier genaue Fundorts- angaben nie vorhanden. Aus Minas Geraes kommen hier die Arten aus der Camposgegend von Lagoa Santa in Betracht, wo Buemeister und Reinhardt sammelten. Aus dem Hinterland von Bahia sind keine bekannt, und auch die Arten von Sao Paulo, Paranä und S. Catharina sind kaum hierher zu rechnen, sondern gehören der Fauna des südlichen Hochplateaus der süd-brasilianischen Provinz an. Eine Zusammenstellung der bis jetzt bekannten Batrachier aus den in Betracht kommenden Landstrichen gibt für die zential-brasilia- nische Region vorstehende Batracliier. Wenn nun Goeldi und mit ihm Jhering das ganze Innere von Brasilien an Hand der Vögel- und Säugetierverbreitung in einer einzigen tiergeograpliisclien Provinz, der zentral-brasilianisclien Region, zusammenfassen, so mag das auch für die viel beweglicheren Vögel Brasilianische Batrachier des Berner Naturhistorischeu Museums. 131 und Säugetiere zutreffend sein. Ein Blick auf die obige Batrachier- tabelle zeigt uns, daß die Fauna nicht eine einheitliche ist, sondern sich nach dem Stand der heutigen Kenntnisse in zwei Abteilungen einteilen läßt, deren Verbreitungsgrenzen sich ziemlich genau mit den Grenzen der Caatingaformation einerseits und mit denjenigen der Camposformation andererseits decken. Es wurde deshalb auch von mir die zentral-brasilianische Region für die Batrachier in 2 Unterabteilungen in, die C a a t i n g a - P r o v i n z und in die C a m p o s - Provinz, eingeteilt. 1. Caatinga-Provinz. Der Caatinga - Provinz sind die Staaten des Nordostens von Brasilien von Maranhao bis Sergipe, ebenfalls der größte Teil von Goyaz und Piauhy zuzurechnen. Aus den letzten Staaten stammen wahrscheinlich die wenigen von Boulengee aus dem „Innern von Brasilien" angeführten Arten, da einige davon in Santarem, aber auch in den Savannen am Demerara in Britisch-Guayana, wo ähnliche klimatologische und floristische Verhältnisse herrschen, vorkommen. Für die Caatinga-Provinz sind folgende Batrachier, die nur hier gefunden worden sind und dem übrigen Brasilien fehlen, charakte- ristisch. Ihryniscus flavescens, Hylodes plicifera^ Paludicola diploUstris, Lepto- dactylus pustidatus, Leptodactylus hylodes, Hyla leprieurü, Nototrema fissipes. Von diesen Arten kommt nur Phrynisciis flavescens und Hyla leprieurü auch in Britiscli-Guayana vor. Eigentümlich ist das Auftreten von JSototrema fissipes. Die Gattung Nototrema ist sonst eine hoch-andine, und ihre Vertreter waren lange Zeit nur aus Peru, Ecuador und Venezuela bekannt. In neuester Zeit wurde nun aber noch ein weiterer Vertreter in Brasilien und zwar an der Ostküste entdeckt, nämlich Nototrema tnicrodiscus Andeesson aus Paranä. Einige Formen, Leptodactylus pentadactylus, Hyla appendiculata, Hyla boans, Hyla granosa, Phyllomedusa hypocJwndrialis , hat die Caatinga-Provinz gemeinsam mit der unter-amazonischen und mit der Gegend von Santarem. Allerdings kommen die beiden ersten Arten, die eine ziemlich weite Verbreitung aufweisen, auch in Bahia vor. Mit der Batrachierfauna der Küstenurwälder der litoralen Provinz Ost-Brasiliens steht die Provinz im weiteren noch in Verbindung durch die aucli in Bahia vorkommenden Arten, Leptodactylus poecilo- 132 F. Baumann, chilus, Leptodadylus caliginosus, Bufo granulosus, Htjla crepitans, Hyla alhomarginata, Hyla rubra, PJiyllomcdusa bunneisteri. Beziehungen mit der ober-amazonischen Provinz vermitteln ganz wenige weitverbreitete Arten wie Bufo marinus, Hyla venuJosa, Hyla rubra. Wie schon weiter oben angeführt wurde und wie sclion ans der allgemeinen Liste hervorgeht, sind gemeinschaftliche Arten mit der Campos-Eegion wenig zahlreich und zum großen Teil kosmo- politische. In Betracht kommen Bufo marinus, Bufo crucifer, Hyla boans, Hyla venulosa, Hyla rubra und Phyllomeclusa bunneisteri. Keine der Arten gehört nur den beiden Provinzen an; was man also als nähere Verwandtschaftsbeziehung ansprechen könnte, fehlt voll- ständig. Wenn wir uns nun aber die Zusammensetzung der Batrachier- fauna der Caatinga-Region näher ansehen und mit anderen ver- gleichen, vor allem mit derjenigen der Campos-Provinz, so erhalten wir kurz folgende Tatsachen: Die Batrachierfauna der Caatinga- Provinz ist nach den heutigen Kenntnissen eine wenig zahlreiche. Allgemein verbreitete Formen vermitteln hauptsächlich ihre Verwandtschaftsbeziehungen mit der Campos-Provinz, aber auch mit den anderen. In ihr berühren sich die Ausläufer der Fauna der unter-amazonischen Provinz und der- jenigen der litoralen Küstenwälder Ost-Brasiliens. Charakteristisch ist für sie das vollständige Fehlen der Gattung Ceratophrys, ganz ab- gesehen von Elosia, die nur den Süden bewohnt, und das spärliche Auftreten von Hylodes- Arten. Die Gattung Paludicola, die in der Campos-Provinz viele Arten und große Verbreitung aufweist, ist in einem einzigen Vertreter beobachtet worden. Leptodactylus-Artein, Bufoniden und Hj'liden stellen, trotzdem auch sie wenig zahlreich sind, das Hauptkontingent der vorkommenden Batrachier. 2. C a m p s - P r V i n z. Ausgedehnte Camposbildungen finden sich hauptsächlich im Süden von Zentral-Brasilien, vor allem in den großen Staaten Minas Geraes und Matto Grosso. Die Batrachier von Minas Geraes sind namentlich von Eeix- HARDT u. LÜTKEN uud vou BuRMEisTEE beschrieben worden und stammen zum größten Teil aus dem Campos-Gebiet von Lagoa Santa. Aus Matto Grosso stehen mir Batrachierverzeichnisse von Stein- DACHNEE, CoPE uud BouLENGEE zur Verfügung. Das Material Bou- Brasilianische Batrachier des Berner Natnrhistorischen Museums. 133 lenger's stammt von den Chapadäs von Matto Grosso, den reinsten Camposbildungen, und wurde von einem Herrn M. A. Eobeet ge- sammelt, dasjenige von Cope aus der Umgebung von Cujabä am Ursprung des Paranä. Von ganz charakteristischen Camposformen können folgende an- geführt werden: Art Minas Matto Geraes Grosso Dendrobates hraccatns Cope Hylodes conspicillatns Günth. — — Ceratophrys cidtripes R et L. + — C. cristiceps F. Müll. + Paludicola verrucosa R. et L. + P. saltica Cope — P. mystacalis Cope — — P. ameghini Cope — — EupempMx nattereri Steind. — Leptodactylus previpes Cope — — L. discolor R. et L. + — L. glandidos'us Cope + Hyla spectrum R. et L. + H. melanargyrea Cope + H. velata Cope — i H. nigra Cope — Hylella tenera R. et L. — -- Merkwürdig ist nun, daß von diesen typischen Camposformeu keine einzige in den beiden Sammelbezirken vorkommt. Die Er- klärung liegt wahrscheinlich in folgender Tatsache. Die meisten Arten aus Matto Grosso stammen aus der Umgebung von Cujabä, das etwa 200 ra hoch liegt, während diejenigen von Lagoa Santa aus einer Höhe von ca. 700 m stammen, da Minas Geraes nur in wenigen Punkten unter diese Höhe hinunter geht. Es macht sich also hier ein beträchtlicher Höhenunterschied zwischen den Fund- orten bemerkbar, der sicher den Hauptgrund in den Verschieden- heiten der beiden Lokalfaunen darstellt. Man könnte nun allerdings einwenden, daß die angeführten Arten zum größten Teil neue und seltene und nur einmal ge- funden worden seien. Nehmen wir nun aber andere, die sich einer größeren Verbreitung erfreuen, so können wir an ihnen, natürlich abgesehen von einigen allgemein vorkommenden Formen, mit Aus- nahme einer verschwindend kleinen Zahl, die gleiche Tatsache be- obachten. Zugleich lassen sich dann auch die Verwandtschafts- beziehungen der Batrachier von Matto Grosso mit denjenigen von 134 ^- Baumänn, Süd-Brasilien, hauptsächlich von Rio Grande do Sul einerseits und derjenigen von Minas Geraes mit den Bergformen von Ost-Brasilien, mit Leichtigkeit herausfinden. Es ist dies ein zweiter Punkt, der auch wieder seinen Grund in der verschiedenen Höhenlage der Samraelgebiete haben mag-. Ich möchte an dieser Stelle, allerdings nui" andeutungsweise, da für die einzelnen Arten noch viel zu wenige genaue Fundorte vorhanden sind, um sicher gehen zu können, die Ansicht äußern, daß sich die Batrachierfauna überhaupt auf Höhen- stufen verteilen läßt. Noch aus einem weiteren Grund werden die beiden Gebiete von verschiedenen Batrachierfaunen bevölkert, der, wenn er vielleicht nicht so erheblich ist wie der erste, doch die Unterschiede wesent- lich verschärfen kann. Die beiden Sammelgebiete gehören nämlich verschiedenen Flußsystemen an und stehen in keiner hydrographi- schen Verbindung, so daß ein Austausch von Arten möglich wäre. Die Gegend von Cujabä wird nach dem Paranä hin entwässert und gehört dem gleichen Flußsystem an wie das Innere von Rio Grande do Sul. Minas Geraes dagegen gehört zum größten Teil ins Einzugs- gebiet des San Francisco. Als Beweis für die gemachten Ausführungen möge folgendes dienen. Es kommen nach dem heutigen Stand der Kenntnisse Palu- dicola signifer. Leptodadijlus, gracüis, Hijla nasica nur in Matto Grosso, dafür aber auch in Sao Paulo und S. Catharina, sogar bis nach Rio Grande do Sul hinunter vor und fehlen Minas Geraes vollständig. Umgekehrt bevölkern Ceraiophrijs hoiei. Lepiodacttßus gaiidichaudii, Hyla pardcdis, Hijla imnctatissima, PhyUomednsa hurmeisteri, die in der Campos-Provinz nur dem Staate Minas Geraes eigen sind, auch als Bergformen die Bergketten von Ost-Brasilien, z. B. das Orgel-Gebirge im Staate Rio de Janeiro. Ganz spärlich sind die Beziehungen zwischen der Fauna von Matto Grosso und derjenigen der Bergketten von Ost-Brasilien in bezug auf die Batracliier. Es sind nur Hylodes golhneri und Hyla senicula als in beiden vorkommend anzuführen. Auch die gemein- samen Foi'men in Minas Geraes und Süd-Brasilien sind wenig zahl- reiche. Es sind nur Faludicola cdhifrons und Hyla faber, wovon die letzte Art auch als Bergform in Ost-Brasilien vorkommt. Neben den kosmopolitischen Formen Lepiodaciylus typhonius, Bufo marinus, Bufo crucifer, Bufo typhonius, Hyla venidosa, Hyla rubra ge- hören im ganzen 2 Arten den beiden Lokalfaunen der Carapos-Pro- vinz an, nämlich Paludicola biligonigera und Engijstoma ovale, die aber Brasilianische Batrachier des Berner Naturhistorischen Museums. 135 auch in Sao Paulo und Eio Grande do Sul vorkommen, ein neuer Beweis verwandtschaftlicher Beziehungen zwischen der Carapos-Pro- vinz und der süd-brasilianischen. Merkwürdig ist das Auftreten der großen Dendrobates - Art, Bendrohates braccatus, in Matto Grosso, auf das schon weiter oben bei der Besprechung der Dentrobates- Arten des Amazonas-Gebietes hin- .gewiesen wurde. Auffallend ist für die Campos-Batrachier das Auftreten der vielen Vertreter der Gattung Paludicola. Z u s a m m e n f a s s u n g. Die Batrachierfauna der Campos-Provinz weist neben den ge- wöhnlichen weitverbreiteten Arten eine große Anzahl eigener Formen auf. Gegen die Batrachierfauna der Caatinga-Provinz läßt sie sich leicht abgrenzen. Sie läßt sich, bedingt durch Höhenunterschiede, in zwei Lokalfaunen, in eine solche von Matto Grosse und eine von Minas Geraes, einteilen. Diejenige von Matto Grosso zeigt verwandt- schaftliche Beziehungen zu der Batrachierfauna von Süd-Brasilien, hauptsächlich von Sao Paulo und Eio Grande do Sul. Die andere, von Minas Geraes, ist verwandt mit den Bergformen der Gebirgs- ketten von Ost-Brasilien, hauptsächlich von Rio de Janeiro. III. Ost-brasilianische Region. Der amazonischen und der zentral- brasilianischen Eegion möchte ich, wie dies schon von Buemeistee getan wurde, als dritte die ost-brasilianische gegenüberstellen. In meiner Einteilung für die Batrachier umfaßt sie aber nicht nur diejenigen der Küstenurwälder von Ost-Brasilien, sondern auch die Batrachieifauna der Bergwälder der Gebirgsketten der Staaten Minas Geraes, Eio de Janeiro und Sao Paulo, aber auch diejenige des Hochplateaus der Staaten S. Paulo, Paranä, S. Catharina und Rio Grande do Sul, also der ganzen Araucarienregion der floristischen Einteilung von Sievees. Die Eegion würde sich also, von Sergipe im Norden bis nach Eio Grande im Süden, der ganzen Ostküste entlang erstrecken und sowohl tropische wie subtropisches Gebiet einschließen. GoELDi teilt in seiner tiergeographischen Karte das ganze Ge- biet in zwei große Abteilungen, die er einander gegenüberstellt. Ich möchte sie als Unterabteilungen oder Provinzen ansehen, wenigstens in bezug auf die Batrachier, da eine charakteristische Batrachier- fauna ganz Ost-Brasilien bewohnt, die, wie wir sehen werden, von Zool. Jahrb. XXXIII. Abt. f. Syst. 10 136 F. Bäcmänn, derjenigen der anderen Regionen stark abweicht, in sich selbst aber doch wieder so viele Unterschiede birgt, die eine Einteilung in Pro- vinzen rechtfertigt. Seine Namen möchte ich beibehalten: 1. Litorale Provinz. 2. Süd -brasilianische Provinz. Die Grenze zwischen den beiden ist eine komplizierte und nicht, wie man auf den ersten Blick annehmen könnte, der Wendekreis. Fingerförmige Ausläufer von beiden erstrecken sich weit, sowohl von Norden nach Süden wie von Süden nach Norden, über den Wende- kreis hinaus. So dehnt sich die litorale Provinz der ganzen Küste entlang bis nach S. Catharina hinunter aus und geht im Parhj^ba- lal zwischen der Sa. do Mar und Sa. dos Orgos einerseits und der Sa. do Mantiqueira andererseits weit ins Innere. Umgekehrt dringt aber die Fauna der süd-brasilianischen Provinz auf den Kämmen eben dieser Bergketten, aber auch auf denjenigen von Minas Geraes, weit nach Norden vor. Klimatologisch und floristisch konnte ich für die beiden Pro- vinzen aus der mir zur Verfügung stehenden Literatur folgende An- gaben schöpfen. Diesen sollen dann gleich die Untersuchungen über die sie bewohnenden Batrachier und ihre geographische Verbreitung angeschlossen w^erden. 1. Litorale Provinz. Die litorale Provinz umfaßt das Küstengebiet von Ost-Brasilien, den Ostabfall des zentral-brasilianischen Plateaus gegen das Meer, der Staaten Bahia, Espirito Santo, Rio de Janeiro, Sao Paulo, Paranä und S. Catharina, deren Hinterland zum Teil in der Carapos-Provinz, zum Teil in der Caatinga-Provinz liegt. Sie steigt nur den Fluß- läufen entlang weiter ins Innere. Das Klima ist ein gemäßigt tropisches, im Norden, in Bahia, gleichmäßiger mit viel geringeren Schwankungen als im Süden. Das ganze Gebiet ist reich an Niederschlägen und weist aus diesem Grunde eine üppige Vegetation in Form von ungeheuren Küsten- urwäldern auf. Sie gehen der ganzen Küste entlang bis nach Porta Alegre, entbehren aber in iliren südlicheren Teilen der Üppigkeit des Nordens. Vor allem fehlen die Schlingpflanzen. Palmen kommen immer noch in großen Mengen vor, daneben besteht dieser Laubwald auch hier noch hauptsächlich aus Myrtaceen und Laurineen und zeichnet sich durch ein dichtes Unterholz aus. Er läßt sich der ganzen Küste entlang in zwei Stufen einteilen, in Mato virgem, die Brasilianische Batrachier des Berner Nati^rhistorischen Museums. 137 unteren Laubwälder oder Küstenwälder, und Mato geral, die oberen ge\Yölinlichen Laubwälder. Im Tiefland überwieg-en Palmen, Lor- beerformen, Myrtaceen und Tamarinden ; an den Abhängen der Küsten- g:ebirge kommen im weiteren Bombaceen, Urtieaceen, Farnbäume, unter den Sträuchern Leguminosen, Euphorbiaceen, Verbenaceen vor. Der Mato geral zeichnet sich weniger durch den Besitz von Laub- bäumen aus, dagegen sind Palmen, Baumfarne und Bambusdickichte häufig. Die Fauna dieses Gebietes ist wahrscheinlich die bestbekannte von ganz Brasilien, wenn nicht von ganz Südamerika überhaupt, auch in bezug auf die Batrachier, Die ersten Reisen zur Erfor- schung der brasilianischen Fauna waren hierher gerichtet. Ba- trachier wurden gesammelt schon vom Prinzen Maximilian von Wied, dann von Natteree, Spix, v. Tschudi, Buemeistek, Wucheeee, in. neuerer Zeit von Goeldi und von Jheeing. Es ist das Gebiet, das zum größten Teil mit dem südöstlichen Urwald- oder Küstengebiet der Einteilung Buemeistee's übereinstimmt. Was nun die Batrachierfauna anbetriift, die die Provinz bevöl- kert, so ist es schwer herauszubringen, ob die Formen wirklich dem Küstenurwald angehören oder ob sie aus dem Innern, also aus der Campos- oder Castinga-Provinz oder aus dem Gebirge stammen. Am besten kann man noch eine Trennung im nördlichen Teil vor- nehmen, was aber südlich des Staates Eio de Janeiro liegt, bietet große Schwierigkeiten, da bei den wenigsten Arten genauere Fund- ortsangaben vorhanden sind. Ich glaube aber kaum . daß die be- kannten Formen aus Sao Paulo und S. Catharina hierher zu rechnen sind. Aus Paranä dagegen sind die beiden STEiNDACHNER'schen Arten Hyla leucophyllata, Natterena laierisinga wiedei" beizufügen, da sie von Natteeer ganz an der Küste gefangen worden sind. Ein Ding der Unmöglichkeit wäre es nun aber, nach dem heutigen Stand der Kenntnisse, die Batrachierfauna auf die von Goeldi auf- gestellten zwei Unterabteilungen dieses Gebietes zu verteilen. Er teilt nämlich die ganze Fauna der litoralen Provinz ein in: 1. Fauna der Küstenbergwälder, 2. Fauna der Küstenniederungen und Vorhügel. Die erste Abteilung würde ungefähr der Fauna des Mato geral entsprechen, die zweite derjenigen des Mato virgem. Die Einteilung ist einleuchtend, besonders da auch die Flora nicht die gleiche ist. Sie läßt sich mit großer Wahrscheinlichkeit, da auch hier wieder größere Höhenunterschiede in Betracht fallen, auch auf die Batrachier- 10* 138 F. Baumann, B a t r a c h i e r der 1 i t o r a 1 e n Provinz. Art Bahia Espirito Santo Rio de Janeiro Parauä Fhryniscus prohoscidens Blngr. + _ _ Brachycephalus ephippinm Spix + — — — Sfereocyclops incrassatiis Cope + — — Telmantobhis hnmliensis Steind. — + — T. asper Blngr. — — + — Elosia nasus Licht. + — + E. bnfonia Gir. — + — E. vomerina Gir. — — _- Hylodes hinotatns Spix — — -j- — Ceratophrys hoiei Wieb + — + — . C. dorsatd Wiku + PaludUola albifrons Spix -|- _ P. kröyeri R. et L. — — — — LepiodactyUis pentadactylns Laür. — — — — L. poecilocliiltts Cope — — — L. typhon'ms Daud. — + 1 — L. ocdlatus L. + -r L. caliginosns Gir. + — L. (jaudichandU Duji. et Bier. — + Zachaenus parmihis Gir. — — + Nattereria lateristriga Steind. — — + Dendrophryniscus hrevipollicatus Esp. — — + Bufo marinus L. + — — B. crucifer W'ied + + -\- — B. yrannlosns Spix + — — Hyla maxhna Laur. + — — H. appendicvJata Blngr. + — — — H. cryptomelus Cope + — — H. füher Wied + — + — H. crepitans W'ied + — H. pardcdis Spix — + H. corticalis Burm. + — + — H. alhouKu-iihuita Spix + — + — H. jiiuicliilii Schneid. + — H. panciUhtfa Peters + — H. langfidorffii Dum. et Bibr. — H. cciiulosd Laur. -- — + — H. mcmphaea Hens. __ H. iwjroniaculata Tschud. — + H. septendrionalis Tschüd. — — + — H. lencophyllata Beir. -- — + H. hipunctata Spix — — + H, strigilata Spix + — + — H. senicula Cope — + H. rubra Daud. + — + Nototrema microdiscus Anders. + Phyllonicdxsa aspcra Peters + — P. bnrmeisteri Blngr. + Amphodus tcuchereri Peters + + — ßrasilianisclie Batrachier des Berner Naturhistorischeu Museums. 139 fauna der litoralen Provinz ausdehnen, doch fehlen vorläufig noch die nötigen Fundortsangaben, um eine Trennung durchführen zu können. Man hätte dann z. B. in Rio de Janeiro drei übereinander liegende Höhenstufen, die sich jede durch eigene Batrachier-Arten auszeichnen würde, allerdings vergesellschaftet mit vielen Kosmo- politen, die auch später eine reinliche Scheidung erschweren werden. Gegenwärtig muß man froh sein, wenn man Waldformen im allge- meinen von Bergformen trennen kann. Batrachier, deren Fundort einfach mit Eio de Janeiro bezeichnet war, wurden von mir zum größten Teil den Waldformen zugerechnet. Das Batrachierverzeichnis, das sich für die litorale Provinz auf- stellen läßt, siehe auf voriger Seite. An Formen, die bis jetzt nur hier gefunden worden sind, können angeführt werden: Phryniscus prohoscideus Blngr, aus Bahia, Brachycejjhaliis ephippium Spix aus Bahia, Stereocijdops tncrassatus Cope aus Espirito Santo, Tebnantobius brasilioisis Steind. aus ßio de Janeiro, Elosia vomerina GiR. aus Eio de Janeiro, Zachaenus parviihts Giß. aus Bio de Janeiro, Nattereria laterisiriga Steind. aus Paranä, Dendrophryniscus brevipoUicatus Esp. aus Rio de Janeiro, Hyla cryptomelas Cope aus Bahia, H. yiigromacidata Tschud. aus Rio de Janeiro, R. septendrionalis TsCHUD. aus Rio de Janeiro, H. Icucophyllata Bete, aus Bahia, H. bipundata Spix aus Rio de Janeiro, Nototrema microdiseus Anders, aus Paranä, Phyllomedusa aspera Peters aus Bahia, Amphodus wuchereri Peters aus Bahia, Espirito Santo. Wenn wir dieses stattliche Verzeichnis durchgehen, so finden wir mehrere Gattungen, die nur hier beobachtet worden sind, wie Brachycephalus, Stereocydops , Zachaenus, Nattereria, Dendrophryniscus, Amphodus. Merkwürdig ist ferner auch das Auftreten einer weiteren Nototrema- kri. Doch auch die Formen, die die Provinz mit anderen gemein hat, neben den allgemeinen fast überall vorkommenden Arten, sind zahl- reich, und da sind es vor allem Formen, die auch der Fauna der Gebirgsketten von Rio de Janeiro und Minas Geraes, kurz der Berg- fauna oder derjenigen des Hochplateaus der süd-brasilianischen Provinz, angehören. Die Verwandtschaft zwischen diesen beiden Provinzen 140 F. Baujiänn, ist eine iialieliegende und vor allem in den Grenzgebieten eine be- deutende. Nachgewiesen ermaßen kommen in beiden vor: Telmaniohius asper, Elosia nasus, Elosia hufonia, Ceratophrys hoiei, Ceratophrys dorsata, Paludicola albifrons, Leptodadylus oceUatus, Leptodactylus gaudi- cliaiidii, Hyla faber, Hyla pardalis, Hyla cotiicalis, HyJa langsdorffii, HyJa mesopJiaea, Hyla strigüata, Fhyllomedusa hurmeisteri; ferner die weitverbreiteten Arten: Leptodaciijlus typhonius, Bufo marinus, Bufo crucifer, Hyla alhomarginata, Hyla rubra. Auch mit den anderen Provinzen zeigt sie gemeinschaftliche Arten, die aber lange nicht so zahlreich sind. So habe ich viel mehr Verwandtschaftsbeziehungen zur am azonischen Urwald region erwartet, wie dies sclion weiter oben betont wurde. Der Grund dafür liegt wahrscheinlich in der ziemlich abweichenden Flora der beiden Pro- vinzen. Von Arten, die in beiden, der amazonischen Region wie der litoralen Provinz, zum Teil aber auch im Übergangsgebiet zwischen beiden in der Caatinga-Provinz vorkommen, können neben den gewöhn- lichen kosmopolitischen folgende angeführt werden: Hylodes binotatus, Paludicola Jcröyeri, Leptodactylus ocellatus, Hyla maxima, Hyla appen- dicidata, Hyla punctata. Die gemeinschaftlichen Formen mit der Caatingafauna wurden schon weiter oben bei der Besprechung dieser behandelt. Auf den ersten Blick merkwürdig berührt wird man durch das Vorkommen einiger Camposformen in den Urwäldern der Küste, wie Ceratophrys boiei, Paludicola cdUfrons, Paludicola Jcröyeri, Leptodactylus gaudichaudii, Hyla marina, Hyla faber, Hyla pardalis, Hyla senicola. Ihr Vorkommen wird vermittelt durch die Fauna der Bergregion, der sie auch angehören, und im übrigen sind es Formen, die über- haupt, oder wenigstens in Südbrasilien, weitverbreitet sind. Z u sa m m e n f a s s u n g. Die Batrachierfauna der litoralen Provinz W'eist eine große Anzahl eigener Gattungen und Arten auf. Sie ist am nächsten ver- wandt mit denjenigen der süd-brasilianischen oder Bergprovinz, mit der sie in innigem Kontakt steht. Die Großzahl der verwandten und gleichen Arten finden wir, wie natürlich, in den Grenzgebieten. Merkwürdig sind die spärlichen Beziehungen zu der Fauna des anderen großen Urwaldgebietes, der amazonischeu Provinz. Der Grund dafür mag in den verschiedenen floristischen Verhältnissen der beiden Piovinzen liegen. In ihr treten zum ersten Male Elosia- Brasilianische ßatrachier des Berner Natnrhistorischen Museiims. 141 Arteil auf, die, wie wir sehen werden, ihre Hauptverbreitung in der noch zu besprechenden süd-brasilianischen Provinz, vor allem in den Bergketten von Rio de Janeiro und Minas Geraes haben. 2. S ü d - b r a s i 1 i a n i s c h e Provinz. Hierher gehören die Gebirgszüge der Staaten Minas Geraes, Eio de Janeiro und Sao Paulo, die Serra dos Vertentes, die Serra Espinha(:o, die Serra dos Aimores, dann die Serra do Mantiqueira, die Serra do Mar mit der Serra dos Orgaos und im weiteren die Hochplateaus der Staaten Sao Paulo. Paranä, S. Catharina und Eio Grande do Sul mit ihren Randgebirgen. In dieser Provinz können wir einen langsamen Übergang von tropischem zu subtropischem Klima beobachten. Die mittlere Jahres- temperatur, die im Orgel-Gebirge in Höhen von 800 — 880 und in Sao Paulo 740 m noch 18—20'^ C beträgt, sinkt in Parana auf 16 bis 20" C hinunter und erreicht in Eio Grande do Sul auch für die Küstenstationen, die in den weiter nördlich gelegenen Staaten viel höhere Jahresmittel haben, nur noch 17 — 18" C. Dem Klima entsprechend läßt sich auch an den für uns wichtigen Vegetationsverhältnissen ein Übergang von der tropischen Vegetation des Nordens zu der gemäßigten Argentiniens wahrnehmen. Dann aber ist sie auch eine verschiedene je nach der Lage und Höhe des Bodens, auf dem sie steht. Bergwald, Grasfluren, Teewald und Araucariengehölz wechseln miteinander ab. Charakteristisch ist die Araucaria brasiliensis, nach welcher das ganze Gebiet von 0. Drude Araucarienregion genannt worden ist, und der Paraguay-Teebaum, Hex paraguayensis. An den Bergketten des nördlichen Teiles geht der Mato geral hoch empor, wird aber immer weniger üppig, je höher man kommt, enthält im oberen Teile Araucarienbestände und geht langsam in eine reine Gebirgsvegetation über, für die als charakteristische Pflanzen vor allem 2 baumartige Liliaceen, Vellosia glauca und Bar- bacenia exscapa, genannt werden können. Häufig treten Bromelien, Cacteen und Eriocaulen hinzu. In den Schluchten kann halbhoher Wald vorkommen, der nach oben von Halbsträuchern und Gebirgs- pflanzen wie Eanunculus, Viola, Oxalis, Geranium, Ericaceen, Es- calonien, Berberis, Farnen und Lycopodien abgelöst wird. Bis auf die größten Höhen von über 2000 m kommen Lebermoose vor. Diese Höhenflora beschränkt sich aber auf die hohen Gebirgs- 142 F. Baumann, Züge von Minas Geraes, Eio de Janeiro und Sao Paulo. Das Hoch- plateau des Südens und seine Randgebirgsketten erreichen keine solchen Höhen. Der bei der Besprechung der litoraleu Provinz be- schriebene Küstenwald ist auch dem Randgebirge bis zu einem ge- wissen Grade eigen. Auch er steigt in die Flußtäler hinauf und verschmilzt am Oberlauf des Urugua}' und des Paranä mit den großen Urwäldern des Innern. In höheren Lagen verschwindet der gemischte Laubwald mehr und mehr und wird ersetzt durch niedrige Tee- oder Kiefernwälder. Im ersten Falle haben wir es mit Hex paragua^^ensis, im zweiten mit Araucaria brasiliensis zu tun. Die Araucarie wie der Teebaum erreichen ihr Hauptvorkommen in Rio Grande do Sul. Die höchsten Erhebungen des Plateaus sind mit Grasfluren bedeckt, und auch im Süden von Rio Grande dehnt sich eine große Grassteppe aus. die sich von den Campos j\Iittel-ßrasiliens durch das Fehlen von Stauden und HolzgeW'ächsen unterscheidet und an der Grenze von Uruguay einen vollkommenen Pampascharakter aufweist. Alle diese kurzen klimatologischen und floristischen Angaben sind geschöpft aus der mir über diesen Punkt zur Verfügung stehenden Literatur, vor allem aus den Werken von Sievees und SCHIMPER. Wenn wir nun weitergehen und die Batrachierfauna der Provinz betrachten, die dank der vielen Reisen, die durch dieses Gebiet ge- macht worden sind, eine der bestbekanntesten Brasiliens ist und vielleicht die größte Artenzahl aufweist, so können wir sie auch, wie dies Goeldi schon für Vögel und Säugetiere getan hat, auf 2 große Unterprovinzen verteilen. Goeldi teilt die ganze Fauna der süd-brasilianischen Provinz ein in: 1. Fauna des gebirgigen Teiles der Staaten Rio de Janeiro, Minas Geraes, Sao Paulo und Paranä. 2. Fauna des südlichen Hochplateaus und der Binnen- und Küstenflußwälder. In dem nachfolgenden Verzeichnis, das mit Deutlichkeit die Be- rechtigung einer solchen Einteilung auch auf die Batrachier aus- dehnt, wurden der Kürze halber die Batrachier in Bergformen und Plateauformen unterschieden. Brasilianische Batrachier des Berner Naturhistorischeu Museums. 143 Batrachierfauna der süd- brasilianischen Provinz- Art -'53 o eö TS 33 2S ^ £H cö 3 S 's a o .2-^ o s =i: ÖH S--72 O - So tu bl o CS OD o CO O CS o ^ O Engy Stoma ovale Schneid. E. leueostictum Blngk. Pseudis m'mnta Peters P. mantidadijJa Cope Teh)iantohius asper Blngr. Elosia nasus Licht. E. hufo7iia Gir. E. divisa Wandlk. E. lateristricjata n. sp. Hylodes goeldii n sp. H. goUmeri Peters H. miliaris Spix H. petropolitanus Wandlk. Ceratophrys higihhosa Peters C. appendiculata Günth. C. hoiei Wied C. fryi Günth. C. dorsata Wied C. ornata Bell. C. americana Dum. et Bier. C. oliausi Wandlk. Paludicola ftiscomaculata Steind. P. biligonigera Cope P. albifrons Spix P. henselü Peters P. falcipcs Hbnsel P. olfersi Mart. P. sp. Blngr. P. signifer Gir. P. graeUis Blngr. P. bischoffii Blngr. Eupemplnx nana Blngr. Leptodadyhis longirostris Blngr. L. mystacinus Burm. L. typhonius Daud. L. ocellatus L. L. gaudichaudii Dum. et Bibr. L. gracilis Blgr. L. prognathus Blngr. Lininoniedusa macroglossa DuJi. et Bibr, Bufo arenarum Hbns. B. marinus L. B. crucifer Schneid. B. d'orbignyi Dum. et Bibr. Hyla faber Wied H. pardalis Spix H. corticalis Borm. H. albomarginata Spix H. punctatissima R. et L. S. langsdorffii Dum. et Bibr. + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + + 4 + t + + + + + + + + + + + 4- + + + + 144 F. Baumann, 03 ?; '53 S 5 ^ s . ^ Ä S "^ .^ rt 5 Ä "5 ^ ci S Art 5 '- o S ii e-. 5'^ c2 o P o o N Cd S o 'S CS o o in ce Öd C o ST cn CS p 'S o (5 o oi •CS CD o Hyla cryptoDielas Cope H. faber Wied H. crepitans Wied H. circiimdata Cope H. pardalis Spix H. inframaculata Blngr. H. corticalis Burm. H. albomarginata Spix H. punctata Schneid. H. granosa Blngr. H. pundillata Peters H. punctatissima R. et L. H. boans Daud. H. spectrum R. et L. H. leprieurii Dum. et Bibr. H. taurina Steind. H. langsdorffii Dum. et Bibr. H. planiceps Cope H. vennlosa Laur. H. mesopJuiea Hens. H. nigroinacidata Tschudi H. sepfendrionalis Tschudi H. pulchella Dum. et Bibr. H. vauteri Bell H. nasica Cope H. microps Peters H. leucopliylluta Beir. H. aurantiuca Daud. H. bipunctata Spix H. minuta Peters H. strigilnta Spix H. senicula Cope H. melanogyrea Cope H. dasynotus Günth. H. velata Cope H. polytaenia Cope H. rubicundula R. et L. H. bracteator Hensel H nebulosa Spix H. aeuminata Cope jET. 'n.igra Cope El. rubra Daud. H. resinifidrix Goeldi H. bisittata Blngr. H. cathariiiae Blngr. H. goeldii Blngr. H. ohausi Wandlr. H. bisdioffii Blngr. H- marghtata Blngr. 1 — — + — — + — I + + 1 + + + + + + + + + + + + + + + + + 1 1 I. + + + 1 + + + + 1 + + + + + + — + + + + + + — + + + + + + + — + + 1 + + + + — — 1 + + + + + + — 1 + + + + + + + + + — — + + + + + + — — — — — — — — — — — 164 F. Baümann, Art X c CS N -CS 1 c3 i- a 3 o 5 ci 1 'S c CS X ^ ci x' X o 3 a es o Nototrema fissipes Blngr. iV. microdiscus Anders. Hylella tenera R. et L. H. carnea Cope H. pygmaea Blngr. H. parvula Blngr. Phyllomedusa aspera Peters P. palliata Peters P. bicolor BoDD. P. vaillantü Blngr. P. tarsius Cope P. hurmeisteri Blngr. P. tomopterna Cope P. hypochondrialis Daud. P. iheringii Blngr. He mi/ihr actus scutatus Spix A)Hpltodus ivuchereri Peters Pipa a»ierica)ia Laür. — - _ — — — — - — — — — — - — — — 1 — — - — — — — + — — — — — — - 1 — — — — — — - — -r — — 1 — — + — — — — — + — — — — — 1 — 1 — — ~ + i — — — 1 — — + — - 1 + + + 1 — — + — + 7 ~ — _ — + + 1 Cyclorhamphus fuliyinosus, Hyla circunidata, Hyla dasynotus stammen aus Brasilien. Fundortsaugaben konnten nicht aufgefunden werden. Es ist mir nach Abschluß der Arbeit eine angenehme Pflicht, Herrn Prof. Dr. E. A. Goeldi in Bern meinen herzlichsten Dank auszusprechen für die freundliche Überlassung der fast vollständigen, in seinem Besitz sich befindenden, schwer zugänglichen Literatur über die Batrachier Brasiliens ; ferner für das reiche Kartenmaterial und die prachtvollen nach dem Leben aufgenommenen farbigen Ab- bildungen einiger Arten, die er mir in wirklich selbstloser, uneigen- nütziger Weise zur Verfügung stellte und durch die meine Arbeit in wertvollster Weise erweitert wurde. Brasilianische Batrachier des Berner Xaturhistorisclien Museums. 165 Literaturverzeichnis. 1. Arbeiten systematischen oder faunistiscben Inhalts. Bekg, C, Batracios Argentinos, in: An. Mus. Buenos Aires, Vol. 5, 1896. BOETTGER, 0., Liste von Reptilien und Batrachiern aus Paraguay, in: Ztschr. ges. Naturw., Vol. 58, 1885. — , Berichtigung der Liste der Amphibien und Reptilien aus Paraguay, ibid.. Vol. 58, 1885. — , Katalog der Batracbiersammlung im Museum der Senckenbergiscben Naturforschenden Gesellschaft, Frankfurt 1892. BoüLENGEE, G. A., Catalogue of the Batrachia Salientia s. Ecaudata in tbe Collection of the British Museum, 2. ed., London 1882. — , A list of Reptiles and Batrachians from the Province Bio Grande do Sul, Brasil, sent to the Natural History Museum by Dr. H. v. Jhe- RiNG, in: Ann. Mag. nat. Hist., 1885, — , Second list of Reptiles and Batrachians from the Province Bio Grande do Sul, Brasil , sent to the Natural History Museum by Dr. H. V. 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Ä, copii. „ 3. j?. nigrilahis. gelb : Verbreitung der Gattung Dendrobates. „ 1. JD. tinctorius. „ 2. D. trivütatus. ,, 3. D. labialis. „ 4. D. braccatns. blau : Verbreitung der Familie der Engystomatidae. „ 1. Phryniscus proboscideus. „ 2. P. flavescens. y, 3. Brachycephalus ephippium. „ 4. Stereocyclops incrassatus. „ 5. Hypopachus variolosus. „ 6. Engystoma ovale. „ 7. E. microps. „ 8. E. leucosliclum. Karte III. Verbreitung der Gattungen Pseudis , Telmantobius, Elosia, Hylodes. grün : Verbreitung der Gattung Pseudis. „ 1. P. minuta. „ 2. P. Ivmelluni. „ 3. P. manüdactyla. rot: Verbreitung der Gattung Telmantobius. „ \. I. asper. gelb : Verbreitung der Gattung Elosia. „ \. E. nasus. blau : Verbreitung der Gattung Hylodes. „ \. H. conspicillatus. „ 2. H. gollmeri. „ 3. //. griseus. „ 4. Ä binotatus. „ h. H. sulcahis. „ 6. Ä miliaris. „ 7. Ä plicifera. 12* 170 F- Baum ANN, blau 8. H. ramagii. ,, 9. üT. petropolitanus. „ 10. Ä goeldi. Tafel 6. Karte IV. Verbreitung der Gattungen Ceratophrys , Edalorhina, l| Paludicola, Eupemphix. ' lau : Verbreitung der Gattung Ceratophrys. n 1. C. higibbom. » 2. t'. appendiculata. » 3. C. öoiez. :i 4. a />•?/*. )i 5. C. cornuta. r 6. C. dorsata. w 7. C ornata. « 8. C. amerieana. ?» 9. C. cidtripes. w 10. C. crisüceps. » 11. C. ohausi. grün : Verbreitung der Gattung Edalorhina. „ 1. £". plicifrons. rot : Verbreitung der Gattung Paludicola. „ 1. P. fuscomaculata. „ 2. P. diplolistris. „ 3. P. biligonigera. „ 4. P. albifrons. „ 5. P. kröyeri. „ 6. P. henselü. „ 7. P. verrucosa. „ 8. P. falcipes. „ 9. P. olfersi. „ 10. P. SjD. „ 11. P. signifer. „ 12. P. gracilis. y, 13. P. hischofßi. „ 14. P. saltica. „ 15. P. mystacalis. „ 16. P. amegkini. gelb : Verbreitung der Gattung Eupemphix. „ \. E. nnna. „ 2. £". naUcreri. Karte V. Verbreitung der Gattungen Leptodadylus, Plectromantis, Limnoinedusa, Zackarnus, Xatiercria, Dendrophryniscus, Bufo. rot: Verbreitung der Gattung Leptodactylus. „ 1. L. pustulatus. Brasilianische Batrachier des Berner Naturhistorischen Museums. 171 rot: 2, L. longirostris. „ 3. L. gracilis, „ 4. L. pentadactylits. „ 5. L. poecüochilus. „ 6. L. viystacinus. „ 7. L. typlionius. „ 8. L. ocellatus. „ 9. L. caligino.ms. „ 10. L. gaudichaudii. „ 11. L. brevipes. „ 12. L. prognathus. „ 13. L. discolor. „ 14. L. hylodes. „ 15. L. glandulosus. gelb : Verbreitung der Gattungen Pledromantis, Limnomedusa, Zachaenus, Nattereria, Dendrophryniscus. „ 1. Pkdromantis rhodostigma. „ 2. Limnomedusa macroglossa. „ 3. Zachaenus parvulics. „ 4. Nattereria lateristriga. „ 5. Dendrophryniscus brevipoUicatus. blau : Verbreitung der Gattung Bufo. ,, 1. ß. arciiarum. y, 2. Ä marimis. „ 3. 5. crucifer. „ 4. 5. typhonitis. „ 5. 5. d'orbignyi. „ 6. jB. granulosus. Karte VI. Verbreitung der Gattung ^^a. gelb : weitverbreitete Arten. „ 1. /7. ri(bra. „ 2. fl^. albomarginata. rot: Verbreitung der nördlichen Formen. „ 1. H. maxivia. „ 2. E. appendiculata. „ S. H. crepitans. „ 4. Ä punctata. „ 5. Ä resinißctrix. „ 6. //^. boans. „ 7. iy. vennlosa. blau : Verbreitung der südlichen Formen. 1. Ä /;7ön-. „ 2. H. j)ardaUs. „ 3. iJ. corticalis. 172 F. Baümann, Brasilianische Batrachier des Berner Naturh. Musenms blau : 4. H. pwictatissima. „ 5. H. langsdorffii. „ 6. Ä pulchella. „ 7. H. nasica. „ 8. H. hipundata. „ 9. H. strigüata. „ 10. H. seniciila. „ 11. Ä catharinae. Karte VII. Verbreitung der Gattungen Notoirema, Hylella, Phyllo- medusa, Hemiphradus, Amphodus, Pipa. gelb : Verbreitung der Gattung Nototrema. „ 1. iV. fissipes. y, 2. N. miefodisciis. blau: Verbreitung der Gattung Hylella. „ 1. //. ienera. „ 2. H. carnea. „ S. H. pygmaea. „ 4. Ä parnda. rot : Verbreitung der Gattung Phyllomedusa. „ 1. P. aspera. „ 2. P. palliaia. „ 3. P bicolor. „ 4. P vaülantii. ,, 5. P. tarsius. „ 6. P. burmeisteri. ,, 7. P. iomopterna. „ 8. P. hypochondnalis. „ 9. P. iheringii. grün: Verbreitung der Gattungen Hemiphradus, Amphodus, Pipa. „ 1. Hemiphradus scutaius. „ 2. Amphodus wudiereri. „ 3. P*/;a americana. (i l'ätz'scbe Buchdr. Lippert & Co. G. m. b. H., Naumburg a. d. S. Zoolog. JaJirbücher Bd.33 Abi. f. Syst. 7«,. 1h. 2b. Verla j Taf.4. sehen!; Jer?. Lith.AriSt.vÄ.G-i]tsch Jena. Zoolog. Jahrbüdier BA. 33 Abt. f. Syst. Baumann del. Verlag vor Taf. 3. ^ £5 5! ••> •s v> ^ ^ ^ Ci <Ü. ♦« ^ 'S« ö ^^ 4S "^ -^s ft. t^ -^ ^a 1^) ^ =§ 4i ^ <ü ^ .'9 "^ ;^ ^ ^ c^ j J>. Wei^z . Lith.., Jena, . Zoolog. JahrhücherBA. 33 AU. f. Syst. Bojimann, dei. Verlag von G Taf.ff. iHsclierinJena. I>.Wus&Xvih..,JeruL.